Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Actenstücke zur Geschichte der Confiscation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 13)
- Language
- German
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126 Actenstückc zur Geschichte d. Confiscation d. hebräischen Schriften. Darum, liehe Brüder, denkt daran, dass ihr wider meinen Willen mich gezwungen, in diese Gegenden zu reisen. Verlasst mich daher nicht und verschafft mir baldigst Geld; damit ich mich nicht genöthigt sehe es hier zu 100°/0 aufzunehmen. Ihr braucht euch dabei nicht zu fürchten und zu ängstigen, denn wo nur möglich sein wird die Hand zu schliessen, werde ich es gewiss thun. Nur wo ich gezwungen sein werde, es mit vollen Händen auszugeben, werde ich es thun, damit wir nicht, Gott behüte, eine Beschämung erfahren. Das Papier würde nicht hinreichen, wenn ich euch im einzelnen alle unsere bisherigen Erlebnisse schreiben wollte. Der Herr möge s. Engel vor uns hersenden und uns wohlbehalten nach Verona oder Vicenza führen, woselbst unser Kaiserlicher Herr in den letzten 8 Tagen gewesen ist — so sagten mir sein Courier und sein Diener — damit wir Gunst in seinen Augen ־finden und er uns vor sich kommen lasse und wir für uns und alle unsere Brüder in Stadt und Land Gnade auswirken! Daher ist jetzt nicht Zeit zu langen Auseinandersetzungen. Nur Leben und Gesundheit möge Er [Gott] Euch verlängern! Dies schreibt ׳ und unterzeichnet in Ueberstürzung und Geschäftigkeit Euer Freund und Diener Jonathan Levi Zion, der noch nicht weiss (?), was er thun soll. Denn Josef Castelfranc und Isaak aus Triest sind nach Hause zurückgekehrt. Denn unser Kaiserlicher Herr zieht bald hierhin bald dorthin, so dass ich befürchten muss, dass ich gezwungen sein werde ihm nachzureiten und dafür wird viel Geld aufgehen. Nehmt es auch mit meiner Schreibweise nicht so genau, da ich ohnehin schweren Mundes und schwerer Zunge bin. Dazu sitze ich im Kalten und habe nichts zu essen und zu trinken, denn alles ist hier sehr theuer, und in ganz Bozen konnte ich selbst für theures Geld nicht ein einziges Ei auftreiben. Richtet auch euer Augenmerk auf meine Frau und auf meine Kinder, denen ich aus grossem Herzeleid nicht schreiben kann. Auch habe ich keine Zeit dazu. Grlisst sie bestens von mir und der Heilige, gelobt sei Er, bringe uns in Frieden wieder zusammen. Geschrieben hier in Bozen Mittwoch den 3. Cheschwan 210 (= 17. Oktober 1509). Kam hier in Frankfurt am 23ten Cheschwan (= 6. November) an. Fortsetzung folgt.