Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 5)
- Language
- German
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Resprechuugen. 333 vollständig er war bereits Schüler IL Saul Morteiras in der obersten Klasse, als sieb plötzlich jene Wandlung in ihm vollzog, die ilm dem Judeiitbum sowio den rabbinisehmi Wissenschaften entfremdete, ilm zur klassischen 1»i 1 dnnund «Irin Studium dm־ Philosophie führte und schliesslich in dem weltberühmten ..ketzerischen** System endete, das seinen Namen zu einem der grössten in d!T < losch. dm־ Philosophie gemacht hat. Ihn Einzelheiten dm* Eoslösung Spinoza s vom Jwdeiithum sind in tiefes ] > 1111 kt1׳ gehüllt. Die innerst<• Veranlassung hierzu. seine Zweifel und seine Kümpfe, blieben das Heheimniss seiner Seele: und wyiiii wirklich jom! spanische Apologie. von der Lider. berichtet, vorbandeii war, so bat er aueh si<» rechtzeitig vernichtet. um der Nachwelt den Einblick in seine Seelenkämpfe zu verwehren. Darum ward aber aueh lange Zeit über die Excommunieaüon Spinoza's nichts Zuverlässiges bekannt. Durch die Yerr>tVentlichung der Hannformel in Van Ylotens Suppbunentum war zum ersten Mal wenigstens das Datum siehm־gcstellt. Durch die neuen rrkmiibm erfahren wir nun doch noch einige Nachrichten über, die iiussemi ln־־ m'guisse jener Zeit, die zur Erklärung des Verhaltens Spinoza's wesentlich beitragen. Erinnern wir uns, dass der Philosoph bereits als sechsjähriger Knabe seine Mutter verloren: seine weitere Erziehung dürfte nicht so gewesen sein, dass sie ihn mit besonderer Liehe zum Fdternhau.se erfüllte. Mitten in der Zeit seiner schwersten Kämpfe wurde dann am *JO. l־dul 0 111 ijLSept. Idol) seine Schwester Mirjam de Lasseres in der HliitIn1 der .hurend dahingerafft, am 10. Nissan 0414 (JS. III. 1 (1041 verlor er das letzte ihm tlseure Familienmitglied, seinen hochangeselimimi Vater. Mehr als sechs Jahre dauerte bereits‘der Kampf in seinem Innern, allein bisher hatte er es noch vermocht, die Zweitel, die in ihm mitbekommen waren, zu überwinden, nunmehr stand er «ranz allein da. ohne Halt und Stütze, er batte Niemanden, dem er sieb offenbaren und mit dem er vertraulich seinen Seedenselimerz besprechen konnte. Noch hin*־׳ er au der Synagoge und ihren Lehmigen. noch fand er in ilm־ Theilnahme am <inttcsdicust der («emeinde keinen Widerspruch gegen seine Denkweise: ein überaus intcressanter neuer Fund bei’iebtet, dass der Philosoph noch am 1. Sabhath Lhanurkah .'>410 (A. XII. lö4<'׳, nicht bbj. im Trauerjahr um den Vater dm* Synagoge (leid spendete (&. I 14>. Doch bald darauf müssen die Zweitel ihn vollständig übermannt haben, er handelte offen den besetzen des Judcntlmms zuwider und war durch kein Mittel zum väterlichen tilauben zuriiekzuführmi. Fs wäre unstatthaft, diesen bedeutungsvollen Schritt eines so tiefen und energischen Denkers, wie Spinoza es war, aus äusserlichen Dründen und Kiicksichteu erklären zu wollen, allein es muss hervorgidioben werden, dass in der Zwischenzeit ein Vorgang sich abspielte, der den jungen Manu aufs höchste reizte und ihn mit seinen Verwandten völlig entzweite. Man machte den Versuch, ihn böswillig von dm־ Erbschaft seines Vaters auszuschliesson. Die bisherigen. Versuche, den uni diese Erbschaft geführten Prozess zu erklären (S. JÖ4), müssen als missglückt angesehen werden, es seheint ein gewaltsames Vorgehen seiner Stiefgeschwister und ihrer Verwandten vorzuliegen, ihn um die Erbschaft zu bringen. Jedenfalls aber wird dieser }lässliche Streit in seinem Herzen die letzte Anhänglichkeit und die letzte Rücksicht gegen seine Verwandten beseitigt haben. Wie oft ein kleiner Funke einen grossen Erami entfacht, so kann bei der uns bekannten Seelenstimmung Spinozas ein solches Ereignis den letzten Ausschlag für seine Feindseligkeit gegen die jüdische Religion gegeben haben. Den unmittelbaren Anlass zu seinem Prozesse, den Inhalt der Anklage und seiner Verthoidigung kennen wir