Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die älteste Geschichte der deutschen Juden in Hamburg
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 324 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2829727-2829735-2882061--29402-2882111- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
324 Bio älteste Geschichte der deutschen Juden in Hamburg. Der Senat vertrat also bei seiner Besohützung der hochdeutschen Juden ebenst» sehr die Interessen der Stadt, wie er gegen Fmle der 40er Jahre die beabsichtigten (,hikanen gegen die Portugicseii zu hintertreiben gewusst hatte, um diese nieht aus der Stadt wegzudrängen und nicht den Handel der Stadt empfindlich heeint rächt igen zu lasset! 1). Eifersucht gegen das empörst rebende Altona, das 1GG4 zur Stadt erhoben worden war-; und der Liberalitüt gegen Juden u. a. Fremde1 viel tarn seiner Bliithe verdankte, hat auch dabei mitgewirkt. Immerhin sollen wir, dass die Zalil der deutschen Juden, die sich damals in Hamburg befanden. nicht mehr gering gewesen sein kann, da im Falle ihres Wegziehens das Leerstellen vieler Häuser befürchtet wird. Schon im Jahre 1 (>(>:> •*ab es, wie aus einer zeitgenössischen He- Schreibung von Hamburg hervorgeht3). 40• -bo deutsche jüdische Hause!• hier neben 1*20 portugiesischen-- und zwar grösstentheils in der Neustadt. wo sie mit (.,hristen vermischt wohnten und meist Kleinhandel trieben. Sit* vermehrten sich dann aber schnell und trugen viel zum Aufblühen der Neustadt bei. (!rosskaul'leute. wie es die meisten Portugiesen waren, kamen unter den deutschen Juden damals nur vereinzelt vor. wenn auch im Laufe der Jahre eine grössere Anzahl von ihnen sieh dazu heraufarbeitete. Spezielleres über die Art der Bes ehäftigun g (14*!־ hochdeutschen Juden ist aus der mehrfach erwähnten Sclbstbiooraphie der Glückei v. Hameln zu entnehmen. Wir erfahren hier, dass der Handel mit Perlen und Edelsteinen, mit Goldenen Ketten. Binnen und sonstigen Sehmucksachen als I>1*- soiuiers gewinnbringend bevorzugt׳ wurde. Daneben wurden auch andere Artikel, je nach Zeit und Gelegenheit, nicht verschmäht4). So' wurde z. P>. der Han<b*l mit Garnen, Knöpfen u. a. Näh- Utensiln•!!, «len sogenannten ״holländischen Waaren'b gern j) Z«־it>chrift f. Hnmhg. Gcsch. X. S. 21U20. » ־) \\ iHimami. Xcit>cl1nft f. Hamb. Gosch. VI], 102,;{) I>r.יי GratVn Galcazzo üuaM״ Priorato .1 >f.s<11״ rcibuni^ von Hamburg im Jahre 1UU3 (/»•itM-tirift f. H. Gosch. 111, 140 JV). 4) Glückei erzählt von ihrem Vater (•S• 27): ״Sein Geschäft war mit־ EdeEteimm und andern .Sachen, wie ein Jude, der von allem etwas nascht". Ihr Mann, Uiajjim Hameln, verlegte sieh zuerst, da die Juwelen nicht sd sein־ in Mode waren, auf den Ein־, und Verkauf von Geldsachen (S. dann nahm er einen Handel mit Ferien hinzu, den er bald dureh auswärtige Einkäufe in grossem Massstabe sehr erweiterte (S.7Ö). Auch der bekannte Jo.>t Eiebim. nn in Berlin, der in seiner Jugend als Angestellter, dann eine Zeit lang als Soeius im Geschäfte Chajjim Hameln's arbeitete, ist durch den Handel mit Juwelen und Perlen zu seinem späteren grossen Keichthum gelangt (vgl. Glücke! v. H., S. 73/80, 108—121).