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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1899-01-01 · Heft 4 · p. Seite 160

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
43 (1899)
Issue
Heft 4
Article
Die haggadische Exegese und der einfache Wortsinn
Date
1899-01-01
Page
Seite 160 (sequence 2)
Language
German
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160 Die haggaäische Exegese und der einfache Wortsinn. in lebendiger Tradition sich fortpdanzte, und zwar auf der Grund־ läge eines ebenso lebendigen religiösen Lebens. Ilire Sprach־ kenntniss, ihre Sagen und Legenden schöpften die Haggadisten nicht aus sich seihst heraus, — ihr(.* Exegese war nicht 1h*- deckt vom Staube des Studierzimmers, ohne Verbindung mit der realen Aussemvelt, auf die Erfindungsgabe des Kxegcten allein angewiesen, wie unsere Exegese der heiligen Schrift, der ilaggadist spricht aus dem Volke heraus für das Volk. Seine Verserklürungen haben auf jeden Fall die Autorität dm* Spraeh- und Sinntradition des Volkes für sieh, und der sachlich Denkende darf gar nicht zweifeln, wem er bei der Erklärung schwieriger Versstelien den Vorrang ertheilen soll. Die moderne Exegese der Bibel benützt ja di(* Auslegungen der iiaggadisten recht häutig, aber nicht ausgiebig genug, und vor allem, nicht, mit jenem Respecte, den sie verdienen. IVrlen wahrer, echter Exegese finden sieh in der llaggada gar liäufig, sinnreiche Deutungen, die verdienen, vollständig anerkannt zu werden. Statt dessen erblicken wir zumeist vornehmes Achselzucken, eine höhnische Bemerkung, als oh der modern(.* Kritiker Sprachgeist und religiöse Tradition auch nur ahnen könnte in der Weis(*, wie sie der ilaggadist besessen hat! — Der Zusammenhang zwischen Bibelwort und Haggadn- Spruch ist in den meisten Fällen auDdcn ersten Blick zu erkennen; oft aber erheischt es eingehendes Forschen, um den geistigen (Vmtaet herzustellen, und nicht wenig(* Fälle giebt es, wo uns(*!־ Kuchen unbefriedigt bleibt und wir die Frsache nicht mein• finden können, die den Haggadisten hei seinem Satze zur Benützung des betreffenden Bibelverses fuhrt(!. Die Schuld liegt zweifelsohne an uns, nicht an dem liagg adisten, insoweit der Ausspruch nicht sichere Spuren der Verballhornung durch die Fahrlässigkeit der vielen Abschreiber aufweist. Zum Glück sind die I laggadasätzc an mehreren Stellen uns erhalten, wodurch ergänzend und ausbessernd die Benützung des Bibelverscs oft aufgeklärt wird Verschiedene jüdische Exogeten des Mittelalters haben in ihrem Midrasch-Commentaren den Zusammenhang• zwischen Bibelwort und Haggadasprueh an den schwierigsten Stellen oft mit seltenem Scharfsinne zu Stand(* gebracht.* Der beste Commentar ist noch immer der כהיגדי des Issachar Beer ha-Cohen. Trotz alledem giebt es noch zahlreiche Midraschstellen, über die er leicht himveggeht, *ohne die Schwierigkeit beachtet zu habeju, oder sie vollständig beheben zu können. In den folgenden Blättern sei ein Versuch gegeben, den

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