Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 42 (1898)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die italienische Litteratur der Juden
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 8)
- Language
- German
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Die italienische Litteratur der Juden. 169 muel, Sohn eines Müllers aus Bagdad, dessen angebliche Wunderthaten. wie manches Andere in dem von ihm erzählenden. 200 Jahre jüngeren Familienbericht letzteren als Legende, nicht als ״Chronik** charaoterisiren. Ich will hiermit nicht die Existenz Ahrons gänzlich bestreiten; aber Achimaaz selbst erzählt Nichts von ״Mysterien*4, und die angeblicne Erklärung von Gebeten darf nicht ohm1 Weiteres auf einen ״tieferen Sinn4* (Mtsschr. Bd. 40, S, 466) bezogen werden. Wenn man von Ahrons Wunderthaten faselt, so kann man sie auf Iiechnm1|j des magischen Wahns setzen. Ist es seine Weisheit, welche auf E10asar Worms (Xlil. Jahrh.) überging, von welchem Neubauer (.Jiabbins, p. 466) aiinimmt, dass er in Folg(‘׳ trauriger Erlebnisse ״scinen Verstand theihveise verloren habe44, so war sh1 Nichts weniger als speeulativ. Die Buchstaben- und Zahlweisheit verband sich erst in Abraham Abulafia mit einer Art von philosophischem und prophetischem Wahnwitz, welcher gestattete, den Morch des Maimonides durch derartige Erklärungen herabzuwünligen. 1h*. Cnwley {Jew. Qh, li. VIII, 576), der im IV. Jahrh. Kabbala bei den Samaritanern annehmeu möchte, weil er (‘ine frühe ״Tradition44 derselben stets vermuthet hatte, darf in der sogen. Chronik nicht der! Beweis (Evidrncv) einer im IX. Jahrh. vollständig ״ilügge gewordenen44 (fully fledgcd) Kabbala erblicken. כסי und גלי ist aramäisch סתר: und גגלדי, auch חיצון und יפנימי arab. טאף.ר und באסן. Weder Ahron noch Abulafia noch der Sohar haben auf die italienischen Juden des Mittelalters einen merklichen Einfluss ausgeübt. Erst nachdem der erste jüdische Kritiker, Asarja de Kossi, bei den Anhängern einer unanfechtbaren Tradition Anstoss erregt, erscheint in Menachem Asarja aus Fano ein Vertreter der Kabbala, und fast gleichzeitig ein radikaler Zweifler (Jehuda Modernd) In Italien konnte ein Jude die Tanzkunst in der Landesspräche behandeln und ein Prediger so taetlos sein, auf der Kanzel von der ״göttlichen Diana‘4 zu sprechen (Kaufmann in Uov. des J<Jt. J. 1897), sogar ein jüdisch(‘!• Kaufbold sieh bemerkbar machen (Hebr. Bibliogr. XVI, 66). Die italienischeu Juden haben gezeigt, dass Kirche und Inquisition Ghettos erbauen und Bücher verbrennen oder verstümmeln, aber den Geist auch im Ghetto nicht absperren können. (Fortsetzung folgt.)