Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Judenlandtage in Hessen-Cassel
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 521 (sequence 17)
- Language
- German
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l>in io I. r>21 gegeben werden, -- und heute wird Uri einem Beschm idungsfestmahl in den Landgemeinden Branntwein mit Zucker autge- 11‘i1^111־, dir Spitze des Zuckerhuts enthält dabei der tu 1 isj^irt*mit* Moliel. Ferner wurde es strenge untersagt, dem Brautpaare entgegenzureiten, wir dies noch heute in vielen Gegenden hei (irr ländlichen Bevölkerung Sitte ist. Lern Brautpaar ward es verboten ..Flor»‘, Schnupftücher und Leckereien*4 zu ver1 heilen; Verfügungen, welche gleichfalls aut starken Widerstand stiessen , so dass sie 1. J. 1 TILI unter gewissen FJnsehrnnkungen wie.derlmlt werden mussten. Auch das wiederholte Verbot des Spielens, das nur an gewissen Tagen des Jahres gestattet war, darf zu dieser Socialgcsetzgebung der jüdischen Landtage gerechnet .werden; nur das Schachspiel war von dem allgemeinen Spielverbot ausgenommen, So bildet»‘ das sociale und das religiöse Leben, das politische und das geschäftliche denn auch tiir Letzteres linden sich manche. Beschlüsse vor—,so bildete das gesummte Leben der einzelnen Juden und der (icsammtheit. den Gegenstand der Lundtagsberatlumgen. Dem Schulwesen und dem Arnum wesen, der Hebung aller Gemeindeinstitutionen wandt.(‘ er seine Fürsorge zu; er war das einigend♦‘ Band, das dir Juden des Landes nicht mir im Interesse des Staats, d i. des Steuersiiekrls, sondern auch zum Besten ihrer eigenen materiellen und geistigen Interessen zu einer Gesummtgemeinde vereinte. AIit dem Jahr♦4 1807, dem voiTäuligen Sturz!4 der kurhcssischeu Regierung, der Krrichtung des Königsreichs _ Westfalen, dem Kinzuge der Freiheits- und < י leirhheitsideen in di!4 mitteldeutschen Laude, erreichten die Landtag(4 ihr Hilde, und wenn auch nach dem Falb4 Napoleons und der WiederauiYicht.ung des alten Regime die erst(4 Timt desselben die AusserkrnlYsetzung aller FJnrichtungen der verhassten Zwisehenheyrschaft war, wenn man auch aufs Neue die .luden in die alten Fesseln zu zwingen und in das Ghetto des Mittelaltars cinzuschliessen sieb bemühte: die Lehren der Neuzeit, die Lehre von den allgemeinen Menseheiireehten, batten auch in i)eutschiaml bereits so tieie Wurzeln geschlagen, dass ein volles Zuriiekdrängeu nicht mehr möglich war. Im Jahr(‘ 1818 wurde auch von der kurhessischen Regierung das Schutzgeld oflieiell gufgehoben, aus den Schutzjuden wurden israelitische Staatsbürger, und bald, i. J. 1820, begann die staatlich(*. Regelung der Verhältnisse der Israeliten, wurden die Gesetzesbestimmungen erlassen, die zu ihrem, grössten TI 1 eile noch heute zu liecht be-