Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Judenlandtage in Hessen-Cassel
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 511 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829696-2829708-2880857--28043-2880896- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ן )io .Tn<l«.Milanin Hessen׳ )־umnoI. 511 nach eingegangener Genehmigung des Letzteren die \ erpliiehtung der Gewählten unter Mitwirkung des Landrabbinen erfolgte. Auf die Verstell erwähl folgte eines der wichtigsten Geschäfte des Landtages, die Neubesetzung des Schätzeramt.es. Diese geschah in einer merkwürdig coniplidrten Weise, Jeder der bisherigen sechs Vorsteher hatte aus .seinem Bezirke sechs redliche, erfahrene, gewissenhafte, nicht mit ein* ander verwandte Personen zu benennen, deren Namen öifentlieh bekannt gegeben wurden; alsdann wurden durch das gewiss unparteiische Loos, das zudem der Landrabbiner selbst zog, von diesen öd Personen sieben bestimmt, deren Namen nochmals durch (‘inen Anschlag an die Rathhausthiir «dient־ lieh bekannt gegeben, und die, falls kein berechtigter Einwand gegen sic geltend gemacht wurde, auf den in der Hessischen Cammer- und Sainmlhofgeriehtsonlming vorgeschriebenen Eid als Schätzer verpflichtet wurden. Die Vereidigung, deren Formalitäten hier wie überall im Mittelalter darauf ausgingen, dem Schwörenden nicht, nur mit Entsetzen vor dem Meineide zu erfüllen, sondern auch wegen seines abweichenden Glaubens zu demiithigen und zu kränken, geschah in folgender Weise: ,,Jude“,so begann der Richter, indem er auf eine hebräische Bibel wies, ,.״Jude, ich!)(*schwöre dich bei dem einigen, lebendigeu und allmächtigen Gott(*, hei dem Schöpfer des Himmels und der Erde, bei seiner Thora und dem Gesetz, das er seinem Diener Moses auf dem Sinai gegeben, sage mir der Wahrheit gemäss: Ist dieses Buch hier das Buch, auf dem ein Jude, dem Christen oder Juden den wahrhaltigen und rechtmässigen Eid leisten darf und soll?“ — ,,Jude“, so fährt er nach 'Bejahung dieser Frag(* fort, ,,Jude, ich verkünde dir wahrhaftiglich, dass wir Christen den einigen, allmächtigen und lebendigen Gott anbeten, den Gott, der Himmel und Erde und alle Dinge erschaffen, dass wir ausser ihm keinen anderen Gott haben, ehren und anbeten. — .Das sage ich dir um deswillen, damit du nicht wähnest, du dürfest, ohne eine Sünde gegen Gott zu begehen, einen falschen Eid uns gegenüber schwören, weil wir falschen Glaubens wären und fremde Götter anbeten. Wenn schon die Nesiim, die Hauptleute des Volkes Israel, den Eid einst erfüllen mussten, den sie den Männern von Gibon geschworen, obschon diese fremden Göttern gedient, um wie viel mehr bist du uns Christen gegenüber, die wir den lebendigen und allmächtigen Gott