Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 6)
- Language
- German
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Besprechungen. 185 diese Arbeit willkommen sein, da neben den grossen Wörterbüchorn von Levy, Kohut, Jastrow ein kurzes, wohlfeiles und dabei verlässliches und nach Möglichkeit vollständiges Wörterbuch, wie es fiir die griochisehen Lehnwörter das Glossar von .Fürst ist, seine volle Berechtigung hat, Budapest. W. Bachor. 1• Wohlstein, Joseph Dr., Kabbiner, DUmonenbescbwörangen aus siachtalmndischer Zeit inschriftüch auf Thougefässen des Königlichen Museums in Berlin. Herausgegeben, übersetzt und erklärt. Berlin (E. Felber) 1894. 59 pp. 80. 2* Stäbe, B. Br. phil, Jiidisch-Bahylonische Zanbertexte. Herausgegebon und erklärt. Halle (J. Krause) 1895. XXLI «+64 ־ pp. 80. Aus den Trümmerfeldern von Babylonien sind neben den grossen Denkmälern der alten Geschichte auch kleinere an8״ Licht gezogen wordon, dio trotz ihrer Geringfügigkeit das lebhafteste Intorosso zu orregon geoignet sind. Es sind dios die Uoborreste alten Hausraths, Schalen und Scherben, mit krausen, in Spiralen laufenden ln- Schriften dicht bedeckt, die man ihrer der• Abwehr böser Geistor gewidmeten Bestimmung nach als Zauberschaien bezeichnet. Die .Frage, warum man diese Beschwörungsformeln gerade auf solche thünorne Gerätho geschrieben hat, beantwortet sich wohl am sichersten durch dio Annahme, dass der alte Gebrauch dos Thons als ßeschroibstoff in jenen Ländern, die Dauerhaftigkeit solcher Gefässe und die Leichtigkeit ihrer Aufstellung und Verwendung ihre Wahl bestimmt haben dürfte. Noch ist bisher nur der allergeringste Theil des vorhandenen Materials durchforscht worden, aber schon jetzt lässt sich mit Sicherheit die Erwartung ausspreeben, dass für die Realien des babylonischen Talmuds aus der Entzifferung dieser — Irrealien eine eihehliche Ernte abfallen werde. So vielseitig und unerschöpflich auch der Inhalt des Talmuds sich uns darätellt, so sind doch die Einrichtungen und Vorgänge des gesellschaftlichen Lebens, das er spiegelt, nur gelegentlich und zufällig darin erwähnt, wie Spreu vom Wirbel der Debatte aufgehoben und festgehaiten, 80 dass wir oft der Voraussetzungen, die zum Verstaadnias dieser fragmentarischen Notizen vonnöthen wären, völlig entbehren. Je weniger wir aber auf Literarische Funde aus jenen Jahrhunderten zu hoffen haben, die uns das erwünschte Licht bringen könnten, um 80 mehr verdienen diese Gefässe und Scherben Beachtung, die 11ns eine untergegangene Welt von Aberglauben und Dämonen wahn heraufzaubern. Wir werden fortan nicht mehr wie bisher blos zu Griechen und Römern in die Bchule zu gehen brauchen, um die Räthsel der über den babylonischenTalmud zerstreuten Spuren des damals auch noch im jüdischen Volksleben arg verbreiteten Geisterspuks zu lösen, sondern im Lande seiner Entstehung verbleiben und an den ursprünglichen Quellen Aufklärung suchen können. Wir werden aber auch für die Sprache des babylonischen Talmuds aus dieser Scherbenwelt neue Bereicherung und Belehrung schöpfen und die Ueberzeuguug gewinnen, dass trotz der Ausdehnung dieser mächtigsten Urkunde jener dahingerauschten Jahrhunderte keines• wegs ihr Wortschatz auch nur annähernd vollständig auf uns gekommen ist. Von den in Berlin vorhandenen Schalen hat Wohl sie in fünf N. 2422 (p. 16—28), 2416 (p. 29—45), 2426 (p. 45—48), 2414 (p. 48 bis 52), 2417 (p. 52—59), Stube dagegen nur N. 2416 vorgelegt, übersetzt und erklärt, so dass wir für dieses eine Stück eine doppelte Bearbeitung