Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1896-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Besprechungen, Einleilnng mit kritischem Nachtrag Fr. Alb. Lange’» Geschichte äes Materialismus in fünfter Auflage. Von Hermann Cohen. (S. LXXV1. — Separe tabdruck.) Die vorliegende Schrift, weiche die Einleitung zu Fr. Alb. Lange״« jüngst in fünfter Auflago erschienener Geschichte »108 Materialismus bildet, hat sieh dio■ Aufgabe gestellt, die zu so grosser Berühmtheit gelangte Darstellung Lange’« durch einen Uoberbliek über die neueren, der gloichon Geistesrichtung huldigenden Bestrebungen auf »10m Gebiete der Philosophie zu ergänzen und bis auf die (legenwart fortzuführen. Wie es bei einem 80 originell veranlagten Denker nicht anders zu erwarten.war, besitzen Cohen'« Ausführungen eine über ihren unmittelbaren /weck weit binftUHgebende Bedeutung; sie bieten uns eine Füll!» selbstständiger Gedanken und worthv»dler Anregungen dar, an »lenen Naturforscher wie Philosophen nicht, ohne zu ihnen Stellung zu nehmen, worden vorübergehen dürfen. Was uns zu einer Besprechung der Cohon'schen Abhandlung in dieser Monatsschrift veranlasst, das sind einige Ausführungen im zweiten Abschnitt, der sich, mit dein Verhältnis der Ethik zur Keligion beschäftigt. l)or .Standpunkt des Verfassers ist allerdings nicht der unsrige. Wir bekennen ollen, dass wir uns keine rechte Vorstellung davon machen können, was dom Verfasser dio Keligion überhaupt noch bedeutet, nachdem er sie jedes positiven Inhalts ontkleidot und ihr das liecht, auf dio metaphysischen und ethischen Anschauungen der Gegenwart einzuwirkon, mit allor Entschiedenheit abgesprochen hat. ,,Damit steigt dio Gottheit von ihrom Wolkonthron in der Pluralbedeutung des Weltbogriils: nicht nur von dem Thron der Naturwolt, sondern auch \on dem der Sittenwolt. Aber der Thron ist hier nur das Gloichniss für das theoretische Princip; keineswegs aber für den Schlussstein, der das ethische Gebäude krönt. Nur vom Primdpienthrono muss dio Gottheit steigen. Und wie man allmählich das Interesse verloren hat an Gott, als an dem Schöpfer der Naturgesetze, 80 wird man es auch vorlioren lornon an Gott, als an dem Urheber des Sittengesetzos. Dio FunnuUrung des Sittengosotzes ist die Aufgabe der fortschreitenden menschlichen Wissenschaft.“ (LXI.) Danach hat dio Keligion für den Verfasser im Grunde nur noch eine dekorative Bedeutung. Sie soll das ganz anal)- hängig von ihr zu Stande gekommene System der Ethik krönen, indem sie als Messianismus (LXII) die Verwirklichung der ethischon Ideen in der Entwickelung der Menschheit, den Glauben an die Macht des Guten kündet. Das mag sehr schön ausgodacht sein, nur wüsste ich nicht, wie dio Keligion, jeder Autorität entbehrend, dieser ihr zugewiesenen Aufgabe genügen 80110. Mit der Beschränknng der Keligion auf die Idoo des Messianismus im Zusammenhänge steht die dem Verfasser eigenthümliche Auflassung des Christenthums, dom or auch hier (S. LV), wie schon bei einer früheren Gelegenheit, die ״Humanisirung Gottes“ als besonderes Verdienst anrech not. Es braucht dom gelehrten Vorfasser nicht erst gesagt zu werden, dass die Lehre von der Menschwerdung Gottes ihrer geschichtlichen Entstehung nach mit diesem ,,tiefsten woltgeschichfclichcn Sinn des Christenthums“ nicht das Geringste zu schafton hat, wie auch die officiello Kirchenlohre kaum die Neigung verspüren dürfte, sich diese Umdoutung des grundlegenden Dogmas anzuoignen. Auch sonst geht der Verfasser, wie mir scheinen will, über das Zeugnias