Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 12 (September 1896)
- Article
- Geschichte und Annalen der Dyhernfurther Druckerei
- Date
- 1896-09-01
- Page
- Seite 561 (sequence 2)
- Language
- German
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Geschichte und Annalen der Dyhernfurther Druckerei. 561 es innerhalb der letzten Jahrzehnte gelungen war, trotz aller Anfechtungen mitten unter der unduldsam1) protestantischen Bevölkerung festen Fuss zu fassen. Mit der überlegenen geistigen Gewandtheit und rücksichtslosen Unerschrockenheit, durch, die sie ausgezeichnet waren, machten die ungebetenen Gäste sich schnell zu Herren der Lage und beschritten wie immer und überall, auch hier den Weg, der ihnen gangbar erschien zu dem Ziele, akatholisches Leben zu vernichten oder wenigstens zu beunruhigen und zu belästigen. Kein Ereigniss, nicht das grösste und nicht das geringste, entging ihrer argwöhnischen Aufmerksamkeit. Selbst die harmlose Schaffensfreudigkeit der jüdischen Buchdrucker und Buchhändler zu dämpfen und zu stören, schien ihnen der Mühe nicht unwerth zu sein. Sie Hessen darum unterm 15. Juli 1694 den Katli durch das fürstbischöfliche Consistorium ersuchen, ״die Bücher der Juden Sabet und Mendel im Bucquay’s Hofe, welche gottlos lästerliche Worte enthalten sollten, zu versiegeln und in sichere Verwahrung zu bringen, auch solche an des Consistorii Deputirte auszufolgen2).41 Die städtische Obrigkeit entsprach sofort dem Wunsche. Aber der Liebe Mühe war vergeblich. Schon nach, vierzehn Tagen3) musste, ״die gerichtliche Entsiegelung des Bücherkrams gestattet werden, weil die confiscirten und genau, durchforschten Bücher keine Lästerung der christlichen Religion enthielten“. Der kleine Misserfolg der Dränger erlöste zwar für den Augenblick die Buchdrucker von der Gefahr für Leib und Leben. Dauernde Abhilfe brachte er weder ihnen noch ihren Glaubensbrüdern. Den hartnäckigen Gegnern gab vielmehr jeder neue Tag zu neuen Klagen und Beschwerden Anlass. Bald hätten die Juden za öffentlichem Aergerniss zn laut gebetet, bald die oder jene ihrer elenden Betkammern zu nahe bei einer Kirche eingemiethet, bald andere nicht minder entsetzliche Yerstösse gegen die heiligen Canones begangen4). Und als der Rath, mit gebührendem Ernst und Eifer wegen jeder einzelnen dieser Missethaten peinliche Ermittlungen anordnete, stimmten bald auch die Gilden, Zechen und Zünfte in die Judenhetze ein und beschworen den Rath, das gesammte!) Vgl. Grünhagen, Geschickte Schlesiens II, 329 f. 2) Wir besitzen, nur die Notizen Scheinich’s unter Nr. 2637 und 2638. Die Aetenstiicke selber sind verloren gegangen. 3) Scheinieh’s Eepext. 2637. Hier lauten die Namen der beiden Juden Sabbathai und Mendel Jakob. 0 Stadtarchiv Klose NNN. 449. Monatsschrift. 40. Jahrgang. 36