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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1896-08-01 · Heft 11 (August 1896) · p. Seite 528

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
40 (1895-1896)
Issue
Heft 11 (August 1896)
Article
[Rezension]
Date
1896-08-01
Page
Seite 528 (sequence 3)
Language
German
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528 Besprechung. sei, so darf doch nicht ausser Acht gelassen werden, dass der Beweis der Entlehnung auch bei vorhandener weitgehender Ueberein Stimmung in sehr vielen Fällen nicht zu erbringen ist. Warum soll z. B. I. E., der zu Ps. 41, 5 mit I. Ch. z. St. übereinstimmt, durchaus dessen Erklärung sich angeeignet haben, ohne den Urheber zu nennen (p. ISO, Z. 13)? Ist es denn nicht natürlich, dass zwei Erklärer unabhängig von einander auf dieselbe Erklärung einer Stelle verfallen können? — Der Ansicht, dass die einzige Ursache des fast spurlosen Verschwindens der Schriften I. Ch.’s seine freie Auffassung der Bibel gewesen sein müsse (p. 69), kann ich mich nicht anschliessen. Der wechselnde Geschmack und der unberechenbare Zufall haben bei der Erhaltung oder dem Verlorengehen mittelalterlicher exegetischer Schriften wohl die Hauptrolle gespielt. —Der als Zusatz L Ch.’s zu N. 44. bezeichnete Passus, angeführt p. 82, Note 4, kann sehr wohl in dem arabischen Original, das I. Ch. benutzt hat, gestanden haben, mithin dem IJajjüg angehören, Statt בהרים (p. 111, Z. 2 V. u.) ist wohl בהרים zu lesen. — Die Vermuthung (p. 139, Z. 9 v. u.), dass es והתיר מבנין הפתעל heissen müsste, ist selbst als Möglichkeit unhaltbar, da von einem בנין הפתעל hei den hebräisch schreibenden Grammatikern nicht die Rede sein kann. — Was P. zu Ez. 1, 24 ans der Uebersetzung des Citats bei Men. b. Simon mit der entsprechenden Stelle in I. EAj Zachot schliessen möchte (p. 150), dass 31enachem die Commentare I. Ch.’s vor sich hatte, scheint mir noch keineswegs erwiesen. — Zu Ob. 1, 20 scheint I. Ch. nicht, wie P., p. 153, letzte Zeile, vermnthet, החל, sondern החל gelesen zu haben. — Ans den Worten I. Ch.’s zu Ps. 58,2 (vgl. p. 110 und p. 160) ist deutlich zu ersehen, dass nach ihm zu übersetzen ist: Redet; ihr etwa Wahrheit (האמנם 4 4 תדברון), indem ihr das Rechte verschweiget (אלם צדק)? — In der Erklärung I. Ch.’s zu Ps. 69, 19, angeführt bei I. E., scheint P., wie aus seiner Anmerkung p. 168 hervorgeht, גאולתה gelesen und wohl an eine Form wie ישועתה (Ps. 3, 3) gedacht zu haben, richtiger aber scheint mir, גאולתה (mit Suffix) zu lesen und den Sinn des Verses nach I. Ch. demgemäss zu übersetzen: Lass meiner Seele ihre Erlösung nahen. Auch die Glosse zu I. E.’s Commentar erklärt ebenso, und P. irrt, wenn er זהבה שללה punktirt. Es muss vielmehr זד,בה שללה heissen. — Zu Ps. 73, 21 soll die Heranziehung des talinudischen חמין את הדין wohl bedeuten, dass die Worte כי יתחמץ לבבי zu erklären sind: Wenn mein Herz sich lange besinnt. — Die Erklärung I. Ch.’s zu Ps. 74, 4 scheint mir keineswegs unklar. Der Sinn ist: Sogar die Vögel, die sonst die Wohnplätze der Menschen scheuen, ziehen in Schaaren zu der heiligen Opferstätte, als triebe sie ein Verlangen, auf dem Gottesaltar geopfert zu werden. — Die Schlussworte I, K.’s in Sefat Jeter Nr. 72, die P. p. 183 mit Recht auffallend findet, והכה דברי ר׳ אדונים sind vielleicht in והמה דברי ר׳ אדונים ZU emendiren. —־ Wir schliessen die Besprechung des Buches, indem wir dasselbe als einen werthvollen, höchst dankenswerthen Beitrag zur Geschichte der Bibelerklärung und der hebräischen Sprachwissenschaft im Mittelalter aufmerksamen Lesern zum Studium empfehlen und dem kenntnisreichen Verfasser wünschen, dass er uns durch weitere Darbietungen seines Fo-rscherfleisses erfreuen und zu Dank verpflichten, möge. Leipzig, Mai 1896. Porges. Unberechtigter Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift ist untersagt.

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