Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 11 (August 1896)
- Article
- Jüdische Alterthümer in Worms und Speyer
- Date
- 1896-08-01
- Page
- Seite 510 (sequence 2)
- Language
- German
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510 Jüdische Altertliiimer in Worms und Speier. Mainz4‘ wurde als Sitz des Erzbischofs ״Metropole44 genannt. Von den drei schönsten Domen der romanischen Periode hatte Mainz den ältesten (975 bis 1011 erbaut), der Wormser entstand in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts, während der Kaiserdom zu Speier erst in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts eingeweiht und vollendet wurde. Auch in der Geschichte der Juden Deutschlands ragen diese drei Städte, Mainz an der Spitze, empor. Das geistige Leben der Juden in Europa datirt bekanntlich aus dem 10, Jahrhundert; in Deutschland taucht es zuerst in Mainz auf. Eine italienische Oolonie, an deren Spitze die gelehrten Kalonymiden standen, liess sich in Mainz nieder, und bald entfaltete sich dort ein reges geistiges Leben, welches sich in kurzer Zeit über Worms und Speier nach dem übrigen Deutschland״ nach Nordfrankreich and den slavischen Ländern verpflanzte. In Mainz wurden die ersten Hochschulen ge־ gründet, Talmud-Commentare und Liturgien verfasst, auch "Verordnungen getroffen, welche von der gesammten Judenheit Europa’s mit׳ Freuden acceptirt wurden. Die Männer, welche dies in Mainz bewirkten — die Kalonymiden; Jehuda b. Meir, genannt Leontin; dessen Schüler Gerschom Meor ha-Golah;. Simon b. Isaac — reichen mehr oder weniger in das 10. Jahrhundert hinauf. Jünger ist die Cultur Worms’ und von Mainz abhängig, denn die ersten Lehrer daselbst — Jacob b. Jakar; Isaac Halevi י— waren Schüler des erwähnten Gerschom, und gehören schon in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts. Noch später tritt* Speier in der Literaturgeschichte auf. Die ersten Gelehrten Speier's, welche wir mit Sicherheit kennen — Eljakim Halevi;־ Moses b. Jekutiel — lebten zu Ende des 11. Jahrhunderts und waren Schüler der Schüler Gersehom’s, Wir finden also in der Literaturgeschichte die Etappen verzeichnet, welche die rabbinische Wissenschaft in Deutschland durchzumachen hatte. Sie ging an der Seite der allgemeinen Gesittung einher. Von Mainz, der ״Metropole44, ausgehend, schlug sie zunächst ihren Sitz in Worms, dann in Speier auf, bis sie zuletzt die entferntesten Gegenden erreichte. Speier war übrigens eine Pflanzstadt Mainz’ nicht nur in geistiger Beziehung, sondern, wie wir sehen werden, auch in dem buch» stäblichen Sinne dieses Wortes. Die Baudenkmäler der Juden am Rhein stehen ihren gross artigen Leistungen auf dem Gebiete der Litteratur und Reorganisation des Judenthums durchaus nicht nach. Hier zeigt sich am eclatautesten, wie richtig sie den Zeitgeist be־