Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1896)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1896-05-01
- Page
- Seite 382 (sequence 2)
- Language
- German
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382 Besprechungen. Inschrift gewidmet hat, ist unberücksichtigt geblieben. Ja, ich glaube sogar, dass die jüdische Numismatik hier noch mit Nutzen heranzuziehen sein wird. Ohne Etwas entscheiden zu wollen, möchte ich nämlich die sogenannten Lulab- und Portal-Münzen, auf denen G-raetz (Monatschrift 36, 159) die Succa, die Laubhütte mit Säulenfa9ade zu erkennen glaubte, als Bilder des Tempels in Anspruch nehmen. Das, was Graetz als Schnüre von Nüssen in der Laubhütte ansah., ist der durch das Tetrastyl des Porticus hindurchgesehene Aufriss des Tempels mit Atrinni und apsisförmigem Abschluss. Diese Auffassung, die auch für die Datirung dieser Münzen noch zu vervverthen ist und in ausführlicherem Zusammenhange dargestellb werden müsste, scheint mir jedenfalls in der Präge nach dem Alter der Basilika Berücksichtigung zu verdienen. Eine der Cardinalfragen der altchristliehen Kunst, die nach dem Ursprung der Typen des in der Katakombenmalerei und Sarkophagsculptur gewissermassen ständigen Bilderkreises, habe ich Revue des etudes juives XIV, 241 ff. durch den Hinweis auf die altjüdische Pastenliturgie und den Typenkreis des ,מי שענד zu beantworten gesucht, der jedenfalls eine ältere Quelle darstellt als ׳der ordo defunctorum, auf den Le Blaut■ (p. 184 f.) aufmerksam gemacht hat. Ebenso war bei der Behandlung der Goldgläser (p 306 fl".) die Vermuthung zu erwähnen, die in einem Theile derselben Becher zum Segensspruche über den Wein an den jüdischen Sabbaten und Pesttagen erblickt. Auf diesen Braueli habe ich das Goldglas bezogen, dessen angebliche Darstellung des herodianisehen Tempels de Rossi zum, Gegenstände seiner klassischen Untersuchung in seinem Bolletino wie in den Archives de Torient latin II. 439 ff. gemacht hat. Vgl. jetzt Berliner, Geschichte der Juden in Rom I, 61, n. 2. An Einzelheiten, die theils den Werth des Buches für altjüdische Realien, theils die Ergänzungen, die es aus diesem Kreise hätte erfahren können, zeigen sollen, sei hier nur noch das Folgende angemerkt. In Betreff des Obergeschosses örcspwov (p. 40 n. 1) ist an die Rolle zu erinnern, welche die עליה spielte; eine Reihe wichtiger Beschlüsse ist im Zeitalter der Mischna in Versammlungen gefasst worden, die gerade in diesen Obergemächern abgehalten wurden; vgl. die Beispiele in Levy’s talmud. W.-B. 3. v. Piir sehr bemerkenswerth halte ich die Angabe, dass das Atrium in der alten Kirche zum Aufenthaltsorte der Büssenden TEpoGT&atovxss flentes oder Frierenden xsi/a^ovcbs hiemantes gedient habe, die noch nicht mit der Gemeinde der Frommen den Gottesdienst verrichten durften. Unwillkürlich wird man hier an eine Illustration des Ausspruchs R. Abahu’s erinnert, dessen Aufenthaltsort in Caesarea dabei nicht zu übersehen ist: במקום שבעלי תשובה עומדין צדיקים גמורים אינם עימדים Berachoth L 34 b. Beachtenswert]! für die Orientation beim Synagogenbau sind die Mittheilungen über das ursprüngliche Schwanken derselben in der Kirche p. 104 f. Dass 10ןף׳3]-ביםה. durch Betpult und Kanzel oder Ambon zu übersetzen ist, beweissen die Ausführungen p. 130. ,,Die Sitte der Schriftverlesung kam aus der Synagoge, sagt Sch. ib., in die junge Kirche“; mit ihr hätte er hinzufügen können, auch das Wort für den erhöhten Ort, von dem aus sie erfolgte. Die Sorge für die Todten als religiöse Verpflichtung war p, 134 weit eher aus dem Judenthum als aus der Antike abzuleiten. Die Domas aeterna oder olxoc; aliovioQ als Bezeichnung des Grabes (p. 135 n. 1 11. 151 n, 3.) ist schon Eccl. 12, 5 zu lesen; vgl. Zunz; zur Geschichte und Litteratur, p. 442 m. Für die Wahl des Jonas- und Noatypus in der coemeterialen Kunst (p. 175) mag 68, 23 mit bestimmend gewesen sein.