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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1896-03-01 · Heft 6 (März 1896) · p. Seite 261

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
40 (1895-1896)
Issue
Heft 6 (März 1896)
Article
Die Gemeindeverfassung von Kremsier
Date
1896-03-01
Page
Seite 261 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Die Gemeindeverfassung von Kremsier. 261 haus umgewandelt werden sollte. (Das. S. 26.) Wegen der Beibelassung des alten Friedhofes, auf dessen Beseitigung die Bürger drängten, ging die Gemeinde bis zur höchsten Landesstelle, die am 31. März 1796 zu ihren Gunsten entschied, ״dass der jüdische Friedhof auf dem bisherigen Standpunkte verbleiben solle, nur solle sie gehalten ־werden, diesen mit einer aufzuführenden starken Mauer einzufassen.u (Das. S. 104.) Der Vorsteher, Josef Adler, bewirkte die Verlegung des Wochenmarktes von Samstag auf Freitag (1797). Die Verdienste Anderer sollen bei der Aufzählung der Reihenfolge der Vorsteher hervorgehoben werden, die mittelst der noch vorhandenen, mit musterhafter Ordnung geführten 200 Berdonbücher herzustellen möglich ist. Auch an der Hebung des Cultus und der Förderung des religiösen Sinnes nahmen die Vorsteher lebhaften Antbeil, indem sie die vom Rabbiner für zweckmässig und zeitgemäss befundenen gottesdienstlichen Einrichtungen und Anordnungen durchführten, ihn in der Ausübung seines schweren, verantwortimgsvollen Berufes unterstützten, einheitlich und einnrüthig mit ihm zum Heile des Judenthums wirkten. Doch ־— um der geschichtlichen Wahrheit gerecht zu werden — kam es zuweilen vor, dass manche in verblendeter Selbstüberhebung sich als die alleinigen Vertreter des Cultus dankten, das Gebiet ihrer Wirksamkeit ־überschritten und die ihnen übertragene Gewalt zur Willktirherrschaft missbrauchten, welche die Einmengung der Behörde in die inneren Angelegenheiten r.öthig machte, zur Entweihung des göttlichen Namens, der Würde der Lehre und ihrer Träger. Mit deren demonstrativ zur Schau getragenen Erniedrigung aber sank auch das Ansehen der Gemeinde in den Augen einer botmässigen, ihre Geistlichkeit abgöttisch verehrenden Bevölkerung, trat eine Periode des tiefsten, sittlichen und geistigen Verfalles und eines damit verbundenen wirtschaftlichen Niederganges ein, eine Zeit, in welcher die an solchen verderblichen Beispielen der Zucht- und Pietätlosigkeit herangebildete Jugend entartet dahinwelkte. Denn nur, wenn sie bei ihren Vorbildern das religiöse Oberhaupt geehrt sieht, dann fassen die von diesem ertheilten Lehren der Moral und Religion in ihrem Herzen feste Wurzel. Nur wenn selbst der erste Würdenträger der Gemeinde der Autorität die ihr gebührende, unveräusserliehe Achtling zollt, dann entfaltet sich das junge Geschlecht ersprieslich und gedeihlich, zur reichen, üppigen Blüthe, zur segenspendenden Frucht, zum Wöhle künftiger Generationen,

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