Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 9 · p. Seite 428

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 9
Article
Bibliographische Übersicht über die im Jahre 1893 erschienenen Einzelschriften [Nachricht]
Date
1895-01-01
Page
Seite 428 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829668-2829678-2879264--26532-2879319
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

428 Bibliographische Uebeisicht. Cassel, D., Sebulon 11. Isachar. Berlin, Bibliogr. Bureau, 1893. 8. [Aus Festschr. zum X. Stiftungsfest d. akademischen Vereins für jiid. Geseh. u. Literatur an der Kgl. Friedrich-Wilhekns-Univers. zu Berlin.] CAzes D., Kotes bibliographiques sur la literature juive-tunisiemie. Tunis, Imprimerie nationale, 1893. 370 SS., 8. In sehr dankenswertber Weise lenkt der Verfasser die Aufmerksamkeit auf einen entlegenen lind wenig beachteten Kreis der jüdischen Litteratur. Erfreulich an dem anschaulichen Bilde, das er in knappen Zügen (S. 7—19) von dem Geistesleben der tunesischen Juden entwirft, ist freilich nur die neue Bestätigung der wiederholt beobachteten Thatsache, dass selbst der härteste Druck die Bührigkeit des jüdischen Geistes nicht ganz zu ertödten vermocht hat. Jede noch so dürftige geistige Aussaat brachte einen, wenn auch kümmerlichen Ertrag. Die Juden theilten auch hier das Geschick des Landes, in dem sie weilten. Im zehnten Jahrhundert erblühte hei ihnen für kurze Zeit ein erstaunlieh reiches geistiges Lehen. Seit dem Verfall der kurzlebigen aglabitischen und badisidischen Herrlichkeit nahm der vielversprechende Aufschwung ein jähes Ende. Unter dem harten Joch politischen und religiösen Druckes erlahmte bald jede Schaffensfreudigkeit. Die dürftigen Nachrichten, die uns hie und da gelegentlich in RGA erhalten sind, lassen erkennen, dass im 14. und 15. Jahrhundert selbst in elementaren Dingen in Tunis crasse LTnwissenheit herrschte. Erst um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts trat allmählich eine Wendung zum Besseren ein, als die Erzeugnisse der italienischen Buchdruckerpressen nach und nach Eingang und Verbreitung fanden. In dem Geschlechte, dem der Masoret Jacob b. Chajjim angehörte, erwachte von Neuem der Trieb zu litterarischer Tliätigkeit. Aber noch vergingen mehr als zwei Jahrhunderte, bis die Schriftsteller in grösserer Anzahl ihre Werke der Oeffentlichkeit zu übergeben begannen. Nichtdestoweniger ist kaum die Hälfte der litterarisehen Production, die der Verfasser auf etwa zweihundert Bücher veranschlagt-, im Drucke erschienen (S. 19). Die meisten (mehr als 70) kamen in Livorno, einige in Jerusalem, zwei m Pisa (Benjakob 858 ש ,115 ה), je eines in Amsterdam (das. ע 334), Ferrara (״ .128 זPirra“ nennt der Verfasser, S. 118, den Druckort) und in Tunis selber (286 ן) heraus. Unschön und vernachlässigt wie das Aeussere dieses einzigen älteren tunesischen Druckes (S. 16. 240־ ff.) ist nach E01rm und Ausdruck mit verschwindenden Ausnahmen die ganze dort heimische Litteratur. Die Bücher sind in der Regel formlose posthume Sammlungen gelegentlicher Notizen, welche die Vorfasser bald an ein Schriftwort, bald an eine Talmudstelle, bald eine Entscheidung Maimuni’s oder Joseph Caro’s angeknüpft haben. Die Studien bewegen sich fast ohne Ausnahme in den allerengsten Grenzen innerhalb der vier Ellen der Halacha. In Chidduschim, Schittoth — שטות schreibt ohne Absicht der Kritik durchgehends der Verfasser — EGA, Deraschoth und Commentaren zu bibl. Büchern, zu einigen hala- ־:•bischen Midraschim (400 א, vgl. Zedner 604 Roest 893 und 204 ש), zur Pessach-Haggada u, s. wr. erschöpft sich nahezu der ganze Inhalt. Ausnahmsweise findet man etwas Grammatisches (S. 144) und Poetisches (114. 286. 295), Beides von gleich geringem Werth. Bei der Aufzählung der einzelnen Bücher (S. 20—330) folgt der Verfasser der alphabetischen Ordnung der Namen der Schriftsteller. So bedauerlich es ist, dass ihm dabei die gangbarsten Handbücher (Steinschneider, Zedner und Benjakob) nicht zur Hand gewesen sind, so anerkennenswert 11 ist die Gründlichkeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.