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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 9 · p. Seite 425

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 9
Article
[Rezension]
Date
1895-01-01
Page
Seite 425 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen. 425 den jüdischen, ein ungemeiner Reiz in einer geistreichen Abwickelung und Entfaltung des Textes: und sollte kein Redner verschmähen, dem Texte, wo es nur immer angeht, eine neue Seite abzugewinnen, seinen Ausdruck abzuwägen, aus ihm selbst die Eintheilung abzuleiten oder ihn auf die Gegenwart zu übertragen, dass sie sich in ihm geschildert finde. Die Predigt wird vielleicht sich hiedurch der Homilie nähern, aber wir erblicken hierin keinen Nachtheil: es wollen selbst viele ausgezeichnete christliche Kanzelredner, dass man zu der Homilie znrückkehre, da die Predigt mit ihrer geschlossenen, bei einem Begriffe verweilenden und ihn bis zur Langeweile breitschlagenden Rhetorik wohl ein Kunstproduct, aber häufig zu wenig Wesentliches und Naehhaltendes bietet. Für den Juden, der nach der Lebhaftigkeit seines Geistes das Frappante liebt, muss die Predigt manches Unbefriedigende haben: und sollten daher unsere Rabbinen und Redner mehr das Charakteristische der jüdischen Homiletik berücksichtigen/1׳) Als solches Charakteristische bezeichnet Frankel ״den Geistesfunken, die überraschende Deutung, die schlagende Entwickelung“. Wer diesen Frankel’schen Maassstab der Beurtheilung an die Horovitz’schen Predigten aalegt, kann nicht umhin, sie zu den besten Erzeugnissen der neueren jüdischen Homiletik zu zählen. Geist und Gedankenfülle, Originalität in Auffassung und Durchführung sind ihre bezeichnenden Merkmale. Horovitz ist kein Nachtreter, sondern ein selbstständiger Pfadsucher voll urwüchsiger Eigenart. Er hat zwar das Aeusserliche der modernen Predigt beibehalten, die Theilung in Einleitung und zwei Theile, aber diese Eintheilung ist bei ihm thatsächlieh nur äusserlich. In der logischen Abwickelung eines Themas, das den Hauptgedanken mannigfaltig zergliedert, die zerlegten Glieder aber durch die logische Gedankenklammer zur Einheit zusamnienfasst, liegt die geringste Stärke des Dt. Horovitz. Seine Predigten gleichen nicht dem klar und ruhig dahin gleitenden Strom, dessen Eluthen alle aus einer Quelle fliessen und nach einer Richtung münden, sie gleichen mehr einer wilden Berglandschaft mit ragenden Gipfeln und Höhen. Hastig eilt die Predigt von einem Höhepunkt zum anderen, und darin besteht in Wahrheit der innere Aufbau der Predigten: Anlauf, Vorbereitung zur Erreichung eines dramatischen Höhepunktes, und ist er erreicht, Weiterspringen und Wegebahnen nach neuen Höhepunkten. Die Predigten sind meist nach einem und demselben, dem Verfasser vielleicht selbst unbewussten Schema aufgebaut: Es wechseln Frage und Antwort, eine Schwierigkeit wird aufgeworfen und gehoben, ein Knoten wird geschürzt und gelöst. Die Lösung, der Höhepunkt beruht meist auf einer überraschend geistreich gedeuteten Midrasch- oder Bibelstelle. Ein Beispiel für viele. Der Redner will ausführen, dass wie der Einzelne der Gesellschaft, so die Gesellschaft für den Einzelnen verantwörtlich sei und citirt aus dem 5 B. M. c. 21,1 ff. ״Wenn ein Erschlagener auf offenem Felde gefunden wird, und man den Thäter nicht kennt, dann sollen die Aeltesten und Richter ausziehen und messen, welche Stadt am nächsten dem Erschlagenen sei, und die Aeltesten dieser Stadt sollen eine Sühne darbringen und sprechen beim Erschlagenen: ידינו לא שפכו את הרם דזד. ועינינו לא ראו. Unsere Hände haben dieses Blut nicht vergossen, und unsere Augen haben nichts gesehen, vergieb Deinem Volke Israel/‘ An diesen gleichsam neuen Text innerhalb der Predigt schliesst sich die oben charakterisirte Ausführung. Zuerst die Schwierigkeit: 1) Z. S. für ä. 1*el. Interessen des Jndentbunis 1845 pag. GG.

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