Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 9
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 423 (sequence 1)
- Language
- German
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Besprechungen. Brody, Heinrich. ר׳ שלמה דאפיאירה, דברים אחדים אדותיו ואתת ספריו עם תוצאות מספרו!־שיר השירים". Beiträge zu Salomo Da־Piera's Leben und Wirken von H. B. Berlin 1893, 8°, 37 SS. So ist auch für Salomo da Piera der Tag der Erweckung gekommen. Noch ist es wohl nur eine Probe, eine Auswahl seiner Briefe und Gedichte, die Brody uns vorlegt, aber dem Dichter wird auch hier bereits sein Recht, wir lernen seine Art und seinen Werth kennen und wünschen, dass bald die volle Summe seiner Leistungen uns zugänglich werde, als ein Denkmal des geistigen Lebens der nordspanischen Juden um die Wende des 15. Jahrhunderts. Denn die Sonne der Poesie hat auch ihm geleuchtet, wenn sie auch auf dem unglücklichen Boden seiner Heimat und in der rauhen Zeit, die er durchlitt, nur blasse Biiitben hervoTzubringen vermochte. Die Sprache Zions lebte in ihm so reich und voll wie in einem seiner Vorgänger, er war nicht nur der Verfasser eines Reimlexicons, sondern dessen lebendige Verkörperung, in allen Wortspielen ein Meister, Herr jeder Schwierigkeit, der Hindernisse spottend und unerschöpflich in selbstgestellten, fast unlösbar scheinenden Aufgaben. Der ehrsame Gemeindeschreiber von Saragossa erinnert bereits an die Heroen der Renaissance in den verschiedenen Staatskanzleien, die ihre gewandten Federn in den Dienst der Staatskunst stellten. Aber der Muse der jüdischen Poesie und Rhetorik warteten nicht so hohe Aufgaben; in Ermangelung von Staatsschriften mussten sie ein ärmeres Feld bebauen — die Bettelbriefe. Es ist erstaunlich, welche Fülle von Gedanken und abwechselungsreichen Wendungen die jüdischen Dichter bei der Armuth an Motiven diesem engen Gebiete zu entlocken wussten. Es ist die gewandteste Reimprosa, der ausgebildetste Makamenstil, was diese Briefe zeigen. Da Piera hat sich aber auch noch obendrein die Aufgabe gestellt, innerhalb der klingenden Reimpracht im Einzelnen einen durchgehenden Reim das Ganze gleichsam strophisch gliedern zu lassen; Absätze des Gedankens. Schlusspunkte der Perioden schafft der Proteus dieses hundertgestaltigen und dennoch einheitlichen einzigen Endreims. So reimt der erste dieser Briefe, zugleich ein geschiehtliches Denkmal3 ein Sammelbrief für den Rabbiner von Huesca, Juda Ihn Baka, durchgängs drei Seiten hindurch mühelos, stets neu überlaschend auf לות, der zweite auf פה, der dritte auf קדש, der vierte auf דים, der fünfte auf בות, der sechste auf נים, der siebente auf רות, der achte auf מים. Wohl haben auch ־unter den Sprachkünstlern der Provence, z. B. in den streitbaren Briefen von Abbamare’s Sammlung מנחת קנאות, Manche es versucht, den Endreim durchzuführen, aber es gelingt ihnen nicht, sie müssen wiederholt von Neuem mit anderen Reimen ansetzen. In der Gesammtausgabe wird darauf auch äusserlich, durch Hervorhebung und Abtheilung im Druck zu achten sein. Brody hat aber auch im Einzelnen der nachbessernden Hand eine reiche Nachlese zum Theil unentbehrlicher Correcturen übriggelassen. So ist S. 16, Z. 10 v. u. כדן statt כיון zu lesen. S. 17, Z. 19 muss es statt יחידי סגלה ונקרא קהלות heissen: ‘ונקרא, wodurch die Anmerkung