Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 8
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 371 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829668-2829677-2879190--26459-2879235- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Besprechungen. 371 Es ist nun für den Talmudforscher von dem grössten Interesse, einige Differenzen zwischen Schammai und Hillel einerseits und zwischen den Schammaiten und Hilleliten andererseits von diesen Gesichtspunkten aus zu betrachten und ruhig zu prüfen, ob in den zu durchforschenden Fällen die neae Theorie — denn als solche und nicht als Hypothese will Herr Prof. Schwarz seine Ausführungen offenbar betrachtet und be* urtheilt wissen — sich als stichhaltig erweist; das ist von umso grösserer Wichtigkeit, als von der Richtigkeit' oder Unrichtigkeit dieser Theorie die Festigkeit und Solidität des Gebäudes abhängt, das der Verfasser der vorliegenden Schrift auf dieser neuen Grundlage errichtet hat. Begleiten wir ihn also auf seinem Wege, und lassen wir uns von dem Baumeister selbst in seinem Gebäude zurechtführen. — S. 35 sagt Schwarz: ,,Die erste der sowohl Eduj. 4, 1—2 als auch Bezah 1, 1 als zusammenhängendes Ganze angeführten drei Controversen handelt von ביצה שנולדה ביו״ט. Diese Meinungsverschiedenheit sucht der Talmud auf verschiedene Weise zu begründen; die einfachste und einleuchtendste Erklärung ist die, welche Rabbah p. 2 b giebt, indem er die Controverse auf הכנה und zwar, wie Raschi, dem sämmtliche Commentatoren folgen, ausdrücklich hervorhebt, auf הכנה בידי שמים zurückführt. In den Augen der Schammaiten ist für Etwas, das nicht von Menschenhänden zubereitet wird, sondern durch die voa Gott beherrschte Natur zu Staude kommt, der Ausdruck הבכה ein unzutreffender, ja geradezu ein darauf unanwendbarer. Ich glaube nicht zu irren, wenn ich als Wurzel, aus welcher diese Controverse emporgewachsen ist, die unter dem Namen גזירה שוה bekannte hermeneutische Regel bezeichne. Man wandere sich nicht, dass wir in den Talmuden, mit Ausnahme eines einzigen Falles, auf den ich weiter unten zu sprechen komme, Nichts finden, was den zwischen Schammaiten und Hilleliten herrschenden Antagonismus als einen, wenn ich mich so ausdrücken darf, hermeneutischen erscheinen lässt; denn das hat seine guten Gründe. Nachdem die von Hillel zur Begründung alter und zur Eruirung neuer Halachoth zusammengestellten und bekannt gegebenen sieben hermeneutischen Regeln die möglich weiteste Verbreitung gefunden und die denkbar grössten Siege errungen hatten, sollte Nichts mehr daran erinnern, dass diese Middoth. jemals auf Widerstand gestossen, und es wurden alle Spuren, die auf eine Opposition der Schammaiten, nicht gegen die Middoth selber, sondern gegen die zu weitgehende Anwendung derselben hinwiesen, verwischt und ausgelöscht. Einer tiefer eingehenden Forschung jedoch, welche nicht alle in zu deu Quellen hinab steigt, sondern auch auf den Grund dieser Quellen hinabzuschauen bemüht ist, enthüllen sich diese Spuren trotz alledem auf's Klarste und Deutlichste. Eine solche Spur erblicken wir auch hier. Die Hilleliten brauchten nur auf einen der Bibelverse wie Ps. 65, 10. 68, II. 78, 20. Hiob 38, 41 hinzu weisen, und sie konnten sagen: נאמר־ רכנה בידי אדם ונאמר הכנה בידי שמים מה בידי אדם אן יו״ט מכין לשבת, ואין שבת מכינה לירט אף בידי שמים אין יו״ט מכין לשבת, ואין שבת מבינה ליו״ט. Die Schammaiten jedoch wollten von dieser ג״ש» durch welche eine neue Halaehah geschaffen wurde, Nichts wissen, deshalb verharrten sie auf ihrem bisherigen Standpunkte und opponirten den Hilleliten, trotzdem ihre Opposition den Charakter der Erleichterung annehmen musste. Wem diese 24*