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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 6 · p. Seite 263

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 6
Article
Hebräische Handschriften-Fragmente in der Stadtbibliothek zu Trier
Date
1895-01-01
Page
Seite 263 (sequence 1)
Language
German
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Hebräische Handschriften-Fragmente in der Stadtbibliothek zu Trier. Von Dr. J. Bassfreund. Von jüdischen Büchern dürfte man füglich mit mehr Recht sagen, dass sie nicht ihre ,,eigenen“ Schicksale haben. Als treue Gefährten derer, die ״durch das Thal der Thränen gezogen“, haben sie zwar viel und unvergleichlich mehr erlebt und erlitten, als diejenigen irgend einer anderen Litteratur. Aber so viel sie auch zu erzählen wissen von dem, was über sie dahingegangen — es ist doch zumeist nur ein Stück jüdischer Leidensgeschichte, von der sie mittelbar oder unmittelbar mitbetroffen worden. Die Feindseligkeit des Mittelalters gegen die Juden machte auch nicht Halt vor ihrem Schriftthuine. Für dieses wie für jene wurden Scheiterhaufen angezündet, und wie der Juden Geld und Gut, so waren auch ihre Bücher ein beliebtes Opfer der Raub sucht, hätte man mit denselben auch weiter nichts anzufangen gewusst, als die einzelnen. Pergamentblätter der zerschnittenen Handschriften zu Bücher- Umschlägen oder zum Bekleben der Einbanddeckel zu benutz!). Welche Menge hebräischer Handschriften allein auf diesem Wege ihren Untergang gefunden haben mögen, lassen schon die wenigen Trümmer ahnenי die sich zu uns herüber gerettet haben und durch Zufall hie und da an öffentlichen Bibliotheken wieder an’s Licht gezogen worden sind* 1). Mehr als vereinzelte Trümmer pflegen freilich auf diese Weise nicht zu Tage gefördert zu werden. Auch dann, wenn die Originaleinbände durch die Jahrhunderte sich erhalten und ein besonders gütiges Geschick auch noch die hebräischen Blätter an ihnen in dem ungeschützten Asyl vor muthwilliger Zerstörung bewahrt hat, fügt es ja der Zufall nur selten so, dass gerade Bücher mit Bruchstücken einer und derselben Handschrift in grösserer Zahl an demselben Orte sich zusammenfinden. 1) Vrgl. u. A. Brann, Monatsschrift, Jakrg. 1882, S. 371 ff. Grildemeister, Magazin f. d. W. d. J. S. 175. Hammerschlag, Beth־Talmud, I. Jahrg. S. 185.

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