Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 10)
- Language
- German
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Zar Geschickte der jüdischen Buchdruckerei in Dyhernfurth. 187 Warum blieb aber Spaeth nicht Protestant, wenn ihm von seinem Standpunkte aus die eine Confession so lieb wie die andere sein musste? Er meinte, wie man einer Mutter stets anhänglich bliebe, auch wenn man ihre Fehler erkenne, so dürfe man auch den angestammten Glauben wegen wahrgenommener Unvollkommenheiten nicht verlassen-1). Da er aber einmal einen solchen falschen Schritt gethan hatte, so hielt er es für seine Pflicht, ihn ohne Scheu zurückzufhun. Dann glaubte er auch bei den Katholiken mehrere Yorzüge wahrzunehmen. Er fand bei ihnen mehr Selbstverleugnung, wahre Frömmigkeit und Andacht als bei den Protestanten2). Uebrigens war solch ein mehrfacher Eeligionswechsel in damaliger Zeit nichts Unerhörtes. Der berühmte Kritiker Bayle, ein Zeitgenosse Späths, der in der reformirten Kirche geboren war, wurde erst katholisch, dann wieder reformirt. — Goebel erzählt von einem Mönche, der reformirter Prediger geworden, dann aber in sein Kloster zurückgekehrt war und schliesslich wieder die Absicht hatte, zu den Protestanten überzugehen. — Ganz merkwürdige Metamorphosen machte der Hebraist Johann Stephan Eittangel durch. Man weiss nicht recht, ob er als Jude oder als Katholik geboren ist, aber soviel steht fest, dass er nacheinander dem Judenthum und allen drei christlichen Confessionen angehört hat3). CFortsetzuDg folgt.) 1) Schelhorn, Amoenitat. liter. XIV, p. 615. 2) Schelhorn a. a. 0. S. 610; Schudt a. a. 0. IV. 2. S. 202. 3) Hartknoch, .Preussische Kirchen-Historia, Frankfurt u. Leipzig 1686, S. 641 und Register s. v. Zur Geschichte der jüdischen Buchdruckerei in Dyhernfurth und des jüdischen Buchhandels. Von Dr. J. Landsberger. - (Fortsetzung.) 8. Die Privilegien der Dyhernfurther Druckerei vom 1. August 1744 und 24. Januar 1773. In den früheren Ausführungen ist hierauf bereits hinge- ■wiesen, gelegentlich sind auch einige Bestimmungen der erstge-