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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1894-01-01 · Heft 3 · p. Seite 137

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1894-01-01
Page
Seite 137 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen. 137 dienstlichen Vorträgen‘‘, diesem ersten Pfeiler seines Ruhmes, unabweislieh herausfordert. Kein Geringerer als Ahraham, der Sohn R. Elia Wilna’s1) tritt hier mit Zunz in die Schranken. Es hat also auch ihn, und zwar lange vor Zunz gelüstet, der Bibliograph der Agada zu werden. Alle Bedingungen dazu waren in seltenem Grade vorhanden: eine vom Vater her überlieferte Gelehrsamkeit, ein scharfer Blick, ein kritischer Sinn, Sachkenntniss und Eifer. Aber wir sehen heute, freilich nur Dank Leopold Zunz, dass alle diese Eigenschaften selbst vereinigt noch nicht aus reiche 11, das klassische Grundbuch für die Geschichte der Agada zu. schreiben, das ihm Vorbehalten bleiben sollte. So wenig wie Ch. J. D. Asulais geschichtliches Wörterbuch hei aller Verdienstlichkeit und selbst heute unverringerten Unentbehrlichkeit mit einer wissenschaftliehen Litteraturgeschiehte verglichen werden kann, darf Abraham Wilna’s Werk an den gottesdienstlichen Vorträgen gemessen werden. So gross ist die Schöpferkraft eines leitenden wissenschaftlichen Ge* dankens, dass selbst das reichere und tiefgründigere Wissen vor ihm als unfruchtbar zurücktritt; Wissen ist noch nicht Wissenschaft. Gleichwohl behält das mehr als acht Jahrzehnte nach dem Tode seines Ende 1808 verstorbenen Verfassers an’s Licht getretene Buch seinen eigentümlichen Werth, auch ganz abgesehen davon, dass es uns die Bedeutung der gottesdienstlichen Vorträge erst so recht vertieft erkennen lehrt Abraham Wilna war wie selten Jemand dazu angethan, nicht nur die selbstständigen Schriften und Sammelwerke, sondern auch die Pragmente der Agada zu erkennen und zu ordnen. Ausgestattet mit der vollen und erschöpfenden Kenntniss seines Gegenstandes, wusste er jede Aeusserung eines Autors auf seine Quellen, jeden agadischen Satz auf seine Zugehörigkeit zu prüfen. Als Rahmen für seine Wahrnehmungen und Bemerkungen wählte er die lexikalische Aufzählung nach Bücher titeln, unter die freilich auch nicht streu gagadisclie Materien sich verirrten. Wir haben es übrigens auch gar nicht mit einer Ausgabe letzter Hand, sondern mit einem Entwurf zu thun, der obendrein noch aus der Zeit seiner handschriftlichen Erhaltung manchen Schaden davon getragen hat. Um so grösser ist das Verdienst des Herausgebers Simon Chon es, der durch aufmerksame Vertiefung in seinen Text und durch reiche eigene Zuthaten uns ein Werk geboten hat, das Niemand unbelehrt aus der Hand legen wird. Wenn ich eine Ausstellung wagen darf, so wäre es die, dass der Herausgeber bei allem Eleisse und aller Sachkenntniss die Arbeit der deutsch-jüdischen Wissenschaft nicht genügend benützt oder kennen gelernt hat. Und damit habe ich einen Gegenstand berührt, der an Ziuizens hundertstem Geburtstage ganz besonders besprochen zu werden verdient. Die hebräische und die in anderen Sprachen zu Tage kommende Arbeit in jüdischer Wissenschaft muss sich vereinigen, wenn wir ge- (leiblich fortschreiten sollen. Der reiche Antkeil, den in so erfreulich steigender Weise die hebräische Litteratur unserer Brüder in Russland am Aushau unserer Wissenschaft genommen hat, wird von ihren Pflegern in anderen Ländern nur zu häufig übersehen, wie leider wiederum die hebräisch Schreibenden so oft über das in anderen Sprachen auf diesem Gebiet Geleistete einfach hinwegsehen zu dürfen glauben. Der Bibliographie fällt hier eine grosse Aufgabe zu, die bisher nur sehr einseitig gelöst worden ist. 1) In einem handschriftlichen Zusatz zu Gott. Vorträge p. 268 a gedenkt Zunz seine! Vorrede zu אנדת בראשית, was Chon es, S. 6, nicht beachtet hat.

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