Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1894-01-01 · Heft 3 · p. 97

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 3
Article
Die Thargumim zur Thorahlection am 7. Pesach- und 1. Schabuoth-Tage
Date
1894-01-01
Page
97 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829668-2829672-2878844--26108-2878868
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Tharqumim zur Thorahlection am 7, Pesach- und 1. Schabuoth-Tage. Von Dr. M. Ginsburger. Der schon in der Mischnah Meg. IV, 4 fg. erwähnte Brauch, wonach bei der Thorahlection nach jedem hebräischen Vers eine aramäische TJebersetzung vorgetragen zu werden pflegte, war in europäischen Ländern ausser Spanien nicht üblich1). Es ist daher überall, wo das Thargumlesen von europäischen Autoren des Mittelalters erwähnt wird, nur von der privaten Lectüre dieser Schriftwerke die Rede, und in sofern erklärt sich auch ganz leicht der Ausspruch R׳. Meir’s in Kol bo, § 37, wonach man eigentlich das Thargum jeruschalmi lesen sollte, da dort der hebr. Text deutlicher erklärt werde als im babylonischen Thargum; denn bei der Privatlectüre brauchte man nicht so ängstlich zu sein bezüglich der oft sehr langen haggadischen Umschreibungen wie beim Vortrage in der Synogoge, wo dieselben eine auf die Dauer schädlieh wirkende Verlängerung des Gottesdienstes herbeigeführt hätten. Eine Ausnahme hiervon machte jedoch die Thorah- Vorlesung am 7. Pesach- und 1. Schabuoth-Tage. Der Grund für diese Ausnahme wird m. A. n. schon im Machsor Vitry, ed. Hurwitz, S. 304, ganz richtig angegeben. Dort heisst es nämlich: וקטן מתרגם כל פסוק ופסוק מן ויהי בשלח ומשירה כולה שהיום עברו ישר׳ את הים ומתרגם הפרשה לפרסם הנם וכו׳ וכן בעצרת. Also: am 7. Tage des Pesach, an welchem der Ueb erlief er ung die Israeliten durch das rothe Meer gingen, und am 1. des Schabuoth, an dem die zehn Gebote auf dem Berge Sinai gegeben wurden, an diesen beiden Tagen war der alte Brauch, neben dem hebr. Texte auch eine aramäische Ueber- Setzung vorzutragen, selbst in denjenigen Ländern erhalten geblieben, wo man sonst diese Sitte nicht kannte, und zwar nur desbalh, um die in jenen Thorah-Abschnitten erzählten Pacta bekannt zu machen und zu verherrlichen. 1) Vgl. Zunz, LG., S. 22, und Berliner, Einleitung zum Thargum Onkelos, S. 172. Monatsschrift. 39. Jahrgang. 7

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.