Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein Targum der Amidah
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 2)
- Language
- German
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80 Ein Targum der Amidali. Mit Ausnahme des Targum zur Keduscha, welches' seine Geschichte hat, kennt man jedoch keinen einzigen Theil der wirklichen Liturgie, der anders als hebräisch abgefasst und anders als in hebräischer Sprache gebetet worden wäre. Im Siddur von Jemen haben sich ausserdem auch, noch andere Fasttagsgebete und Litaneien erhalten, die aramäisch abgefasst sindv und von den in unseren Siddurim sich höchstens noch schwache Spuren nachweisen lassen... Im Allgemeinen jedoch hat sich das Aramäische eine Stelle in der eigentlichen Liturgie nicht erobert. Der Charakter derselben, ebenso wie der Ursprung, geboten das Festhalten an der heiligen Sprache für die Formeln des Gebetes. Die wesentlichsten Bestandtheile desselben sind ja eben Stücke aus der heiligen Schrift, aus dem Pentateuch und den Psalmen. Die einleitenden Segenssprüche (Jozer, Ahaba u. s. w.) reichen auch in eine Zeit zurück, in der wir das Hebräische als eine noch lebende Sprache anerkennen müssen. Wie frühe sich die Uebersetzung in die ״lingua vulgareu als Hothwendigkeit herausgestellt hat, und wann das Textwort der hl. Schrift in diese übertragen worden ist, um das Volk besser damit bekannt zu machen, lässt sich, trotz aller Forschungen^ mit Gewissheit kaum bestimmen. Dass das Targum "sehr alten Ursprunges sei, lässt sich kaum bezweifeln; ebensowenig, dass es im Laufe der Jahrhunderte mannigfachen Umwandlungen, Ergänzungen und Auslassungen unterworfen worden sei. Es verhält sich damit genau so wie mit dem Midrasch, dessen jüngere Form keineswegs immer den jungen Ursprung beweist. Hoch viel dunkler ist d;e Frage der Verbreitung des Targum. Wie viel davon ist nach Babylonien gedrungen? Und wie viel hat sich in Palästina erhalten? Wie vieList orientalischen, und wie viel occidentalischen Ursprunges? Ich verstehe hier untey Occident und Orient Pälästina im Gegensatz zu Syrien. Die Antwort, dass Onkelos wenigstens in Form und Sprache babylonischen Ursprungs, das jerusalemifanische Targum dagegen palästinensischen Ursprungs sei, ist durchaus nicht befriedigend. Trotz Berliners werthvoller Ausgabe des|ersteren, sind wir doch noch sehr weit von einer wirklich kritischen Ausgabe entfernt. Die Vocalisation der europäischen Ausgaben des XV. und XVI. Jahrhunderts ist sogar in diesen schwankend. Man braucht nur die Lissaboner Ausgabe mit der Complutensischen zu vergleichen und diese mit der Ausgabe, die Berliner der seinigen zu Grunde gelegt hat, um sich auf Schritt und Tritt davon zu überzeugen. Hoch