Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Das Zunz'sche Buch über die "gottesdienstlichen Vorträge" und der heutige Sand der Midraschforschung
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 515 (sequence 2)
- Language
- German
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Das Zunz’sche Buch über die ״gottesdienstlichen Vorträge". 515 kennbar gewiss. Einiges, was er zertrümmert hat, wird sich nie wieder erheben; Einiges, was er begründet hat, wird nie wieder untergeben — und was das Wichtigste ist, er hat eine Unwälzung in der Wissenschaft des Judenthums geschaffen, wie die gesammte Geschichte der Wissenschaften wrenig ahnliehe auf weist“ Eine würdige Biographie hat uns Zunzens hundertster Geburtstag nicht gebracht, und wohl nicht bringen können, aber welchen ־überwältigenden Einfluss Zunz seit 1832 auf die Entwickelung der jüdischen Wissenschaft ausgeübt, das hätte besser als jede Biographie das beim Erscheinen der zweiten Auflage der GV. in Aussicht gestellte ״Supplement“ veranschaulichen können. Es würde zwar gezeigt haben, dass man Zunz nicht im Geiste Zunzens rühmt, wenn man sagt, dass ,,er durch die GY. für die äussere Aufgabe der Kritik, für die Feststellung der Zeiten, in welcher die einzelnen Producte der weiten Midrasch-Litteratur entstanden sind, ebenso den Grund gelegt, wie er fast den Ausbau vollendet habe, und dass Ergänzungen und Berichtigungen, die in der ■darauf folgenden Zeit eifriger Studien zu erwarten waren, nur ״spärlich dargeb rächt.wurden1).“ Es wurden und werden nämlich im Gegentheil vornehmlich durch die neuen Midrasch- Ausgaben so zahlreiche Ergänzungen und Berichtigungen zu den GV. dargebracht, dass der Yerfasser eines erschöpfenden Nachtrages zu dem Buche gewiss nur selten einen Satz in den wichtigsten Capiteln des Buches gänzlich würde unberichtigt und unergänzt lassen dürfen. Aber es würde dennoch dadurch die Bedeutung des unsterblichen Werkes nicht im Gelängsten angetastet, es würde vielmehr dennoch jedem Capitel, jedem Worte, das Zunz geschrieben, nicht nur sein eigenthiimlieber Beiz, sondern auch sein unvergänglicher Werth verblieben sein. Denn zu Zunz muss durchaus immer wieder Jeder, der an dem Ausbau der jüd. Wissenschaft mitwirken will, Stellung nehmen, und wenn die Erschliessung der Haggada in ihrer nie geahnten und nie gekannten Entwickelung die grösste That Zunz’scher Forschung ist, so wissen es diejenigen, die in seinem Geiste die Kenntniss der Midrasch-Litteratur durch neue kritische Midrasch-Ausgaben fördern wollen, am besten, dass für die Bearbeitung jedes Midrasch die GV. immer D Vgl. G-eiger in der Jüdischen Zeitschrift, 1875, S. 32. Bis zum Jahre 1875 war ßubers Pesikta (1868) und u.A. von Jellinek’s Bet ha־Mui rasch Bd. I—V erschienen. 33*