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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1894-01-01 · Heft 9 · p. Seite 427

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
38 (1893-1894)
Issue
Heft 9
Article
Die Märtyrer des Pösinger Autodafés von 1529
Date
1894-01-01
Page
Seite 427 (sequence 2)
Language
German
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Die Märtyrer des Pösinger Autodafes von 1529. 427 wurde, denen ihr Wehegeschick in die Seele schnitt, hat ihre Namen auf die Nachwelt gebracht. Es fügt sich um so glücklicher, dass das alte Krakauer Mernorbuch uns die Seelen dieser so freventlich hingemordeten Dulder überliefert hat, als die einzige christliche Quelle, die von ihnen berichtet, nur die Yerhörten und durch Folterungen und Qualen ohne Maass zum Nachsprechen vorgeschriebener Geständnisse Gezwungenen, nicht aber die in den Flammen des Scheiterhaufens Umgekommenen, namentlich aufzählt. Eine vollständige Uebereinstimmung der Namen in beiden Quellen ist daher schon aus dem Grunde nicht möglich, weil in dem Yerhör nur ein Theil derer genannt erscheint, die den Flammen übergeben wurden, Frauen und Kinder überhaupt nicht genannt werden. Denn ob auch angeblich die Kinder unter acht oder zehn Jahren getauft und der christlichen Milde ausliefert wurden, so hat es doch auch an Kindern nicht gefehlt, die den Eltern nach in die Flammen liefen. Es muss genügen, wie ich es mit den Namen der Märtyrer des Berliner t) Autodafes von 1510 versucht habe, im Allgemeinen die Namen der verbrannten Familienhäupter durch die neue Quelle genauer festzustellen, die uns zugleich zeigt, wie Frauen und Kinder mit den Gefolterten freudig und treu in den Tod gegangen sind. Ain erschrockenlich geschieht vnd Mordt, wie sich die mit dem Bilde von fünf Juden* 2) und des Messers, mit dem Hännsel, der neunjährige Sohn Georg Meylingers, des Wagners in Pösing, gemordet wurde, auf dem Titel geschmückte Er- Zahlung dieser Judenverbrennung betitßlt, macht uns nach der Angabe von Zunz3) mit eilf Namen von Pösinger Juden bekannt: Die Brüder Jacob und Kalman, Jacob Schwertfeger, * David Seifenmacher, Michel Schneider, Jakob Tscheche Samuel genannt Smolder, Salman, Liphart, AYölfel, der Svnagogendiener Isaac. Aus dieser Eeihe scheint Salman nach Tyrnau zu gehören, denn David Seifensieder gesteht, als er vor vier Jahren noch in Tyrnau war, daselbst von Schlammen und Kholmann den Auftrag erhalten zu haben, einen Wagen, auf dem die Leiche eines Christen verborgen war, davonzuführen. Nicht Jacob und Kalman treten auf, sondern Jacob Kholmanns Bruder. P S. Berliners Magazin 18, 48ff. 2) Die synagogale Poesie des Mittelalters, p. 55. 3) Ygl. die erschreckenliche History von fünf schnöden Juden, die in Basel erschienen; s. Zunz S. P. S. 51.

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