Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Die Tossafisten als Methodologen
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 344 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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344 Die Tossafisten als Methodologen. •datur in ihrem historischen und eine dürftige lexicalische Notizensammlung in ihrem methodologischen Theile zu sein, und obgleich die Halacha als letztes Ziel im Auge hehalten wurde, ging man doch in der Verfolgung desselben, in der Ausführung und Darstellung desselben über dieses Ziel hinaus und gestattete der Kritik den Zutritt. Schon Maimuni selbst schrieb in der Einleitung zu seinem Mischnacommentar mit vollem wissenschaftlichem Eewusstsein eine Einleitung in die Mischna selbst und stellte in derselben bereits die wichtigsten, in Betracht kommenden Gesichtspunkte in seiner systematisirenden Weise als solche auf. Auch Raschi giebt in seinen Commentaren häufig das Wesen der Einleitung tief berührende Fingerzeige und erscheint auch in diesen mit bewunderungswürdiger Präcision gegebenen Andeutungen ebenso gross, wie in seinem ganzen unübertrefflichen Werke. Allein während Maimuni die Gemara fast ganz unberücksichtigt liess, während es ausserhalb des Zweckes Raschi’s lag, an allen dazu Gelegenheit bietenden Stellen ausführlich mit der Methodologie sich zu befassen, haben seine Nachfolger .und Ergänzer, die Tossafisten, diesem Zweige der Commentirung, namentlich in Bezug auf die Gemara, besondere Aufmerksamke.it zugewendet. Denn wenn die Methodologie überhaupt als ein Zweig der Commentirungswissenschaft angesehen und neben der historh sehen Isagoge als der äusseren, die innere Einleitung genannt werden muss, weshalb auch, wie erwähnt, alle Commentatoren des Talmud nicht umhin können, sie zu berücksichtigen, so lag es ganz besonders in der Aufgabe, welche die Tossafisten sich gestellt hatten, die Beleuchtung des methodischen Apparats, dessen der Talmud bei seinen Auseinandersetzungen, Discussioiien und Entscheidungen sich bedient, in den Bereich ihres wissenschaftlichen Sfrebens zu ziehen. War es ihnen bei ihren Zusätzen zum Rasehi-Commentar doch vorzugsweise darum zu thun, den Talmud als ein organisches Ganzes darzustellen, das in allen seinen Theiien von demselben Geiste erfüllt und durchdrungen ist, das überall denselben Gesetzen und Regeln folgt. Mussten sie da nicht diese Gesetze und Regeln aufzufinden suchen? Freilich thaten sie dieses nicht in der systematischen Weise Maimunis, noch stellten sie die aufgefundenen methodologischen Regeln ihrer Arbeit etwa als Einleitung voran, sondern sie berufen sich, ihren commen tatorischen Zwecken entsprechend, nur gelegentlich auf dieselben