Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1894-01-01 · Heft 8 · p. Seite 343

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
38 (1893-1894)
Issue
Heft 8
Article
Die Tossafisten als Methodologen
Date
1894-01-01
Page
Seite 343 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829654-2829663-2878427--25687-2878452
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Tossafisten als Methodologen. 343 Nach dem Abschlüsse des Talmuds musste sich neben dem Bedürfniss nach Compeudicn, welche die in demselben zwar fixirte, aber oft in weit ausgesponnener Discussion verborgene Halacha kurz und übersichtlich für die religiöse Praxis zusammenstellten, auch das nach einer Anweisung für diejenige Fälle geltend machen, die im Talmud zwar Gegenstand von Controversen sind, deren Entscheidung jedoch nicht ausdrücklich angegeben wird, sondern aus der Discussion nach bestimmten, im Talmud zerstreuten Eegeln zu erschlossen ist. Diese Regeln sind methodisch-isagogischer Natur, denn sie beruhen auf der Form der Fragen und Antworten, auf dem Alter und der Reihenfolge der Autoren, sowie auf dem Verhäitniss derselben zu einander als Lehrer und Schüler. Indem nun die alten methodologischen Werke, von dem Seder Tannaim w’Amoraim bis zu den ״Regeln der öemara“ des R. Joseph Caro, die im Talmud nach dieser Riclitung hin aufgestellten oder aus demselben sich ergebenden Grundsätze zusammenstellten, wollten sie nichts weiter als gleichsam Grammatiken der Halacha, Compendien für die Praxis sein; das wissenschaftliche Interesse aber stand, wenn es überhaupt vorhanden war, jedenfalls erst in zweiter Reihe. Daher vermissen wir besonders in den vormaimunischen "Werken dieser Gattung, soviele uns von denselben bekannt ge־־ worden sind1), das Eindringen in die Werkstätte des Talmud, jene Vertiefung in die Seele des Buches, in die Art und Weise seines Verfahrens, in die Methode seiner geistigen Operationen, in die Eigenthümlichkeiten seiner Darstellungsweise, in die Geschichte seiner Entstehung und Entwickelung, deren Dar־־ Stellung gerade eine wissenschaftliche, methodische Isagogie sich zur Hauptaufgabe machen muss. Erst die grossen Commentatoren des Talmud, an ihrer Spitze Maimuni, legten den Grund zu einer wissenschaftlichen Einleitung in denselben und bewirkten theils durch ihre Arbeiten auf diesem Gebiete, theils durch ihre Commentare eine wesentliche Umgestaltung in der methodologisch-isagogischen Litteratur. Von nun an hört dieselbe auf eine trockene Nonien- 0 ft. Jacob *b. Nissim ist bei seiner bekannten Anfrage an E. Scherir a Gaon offenbar neben dem 11 alackisehen auch von Wissenschaftlichem Interesse geleitet,* auch die Antwort Scheriras geht über das nur halaehisch Interessirende hinaus und ist reich an höchst beachtenswertken und von den neueren Historikern vielfach benutzten Winken, namentlich auch über das Yerhäitniss der Mischna zur Boxaita, sowie der beiden Talmude zu einander.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.