Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Folgen des österreichischen Erbfolgekrieges für die Juden Kremsiers
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 6)
- Language
- German
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Die Folgen des österreichischen Erbfolgekrieges. 277 Lager ab, verli essen die Stadt, gaben jedoch früher den Bürgern alle geraubten Vorrät.he mit der Drohung zurück, alle Häuser anzuzünden, falls sie die österreichischen Truppen einlassen würden. Kaum aber waren die Preussen abgezogen, da fielen die zum Haube abgerichteten, mit dem blut- und beutegierigen Bauern verbündeten Husaren zu Hunderten und Tausenden in die Judengasse ein, zerbrachen eiserne Thüren und Riegel, plünderten Geld sowohl als Waaren und leerten die in der Stadt befindlichen Geschäfte aus. Wie 100 Jahre früher die rohen schwedischen Soldaten, so zügellos hausten jetzt diese wilden Horden im Judenviertel und schonten weder Greise noch Kinder. Sie erschlugen mehrere Personen, darunter den Lehrer Chajjim, das Weib Jittel, Tochter des Wiener Exulanten Simon Lämmels und das Kind Mordechai, Sohn des Isak Hirsch Neustadtei, welche man in den an den Tempelhof grenzenden Garten begrub, weil man sieb nicht aus der Judengasse hinaus wagte1). Zwei Tage musste man sich im Keller, auf dem Boden und in geheimen Schlupfwinkeln vor den Wühlenden verborgen halten. Erst die herannahenden Generäle Glane und Erclödy, die über das ganze Land den Oberbefehl führten und beim Heere in grossem Ansehen standen, geboten dem Morden Einhalt. Sie sprachen ihr Bedauern über die Meuterei aus, aber den bedeutenden Yerlust konnten sie nicht ersetzen, den verursachten Schaden nicht wieder gutmachen־). x) Im Seelengedäehtnissregister von Kremsier heisst es: הקדוש והטהור מהו׳ ח*ים מלמד נהרג על קידוש השם יום ר עש״ק הנחיל :על שם נם גדול שנעשה בקהילתנו ט׳כיסן תק״ב וטמון הנן בחצר בה״ב, und: האשד, יטל ב״מ שמעון ר׳ לעמליש נהרגת על קידוש השם ט׳ ניסן תק״ב לפ״ק וטמונה בגן בהצר בית הבנסת תנצב״ה•: Der heute vom Grabe entfernte Leichenstein Jittels zeigt folgende Inschrift: פ״ט אשד, השובה וישרה הלכה בדרך נעימה כל מעשיה טובים במצות וגמילת חסד עשתה תמימה והרגו בעש״ק ט׳ רסן תקב לפר״ק דדה מ׳ יטל בת הקצין מרה שמעון ב״ר לעמיל חנצב״ה. 2) Abrah. Trebitseh schildert in seinem Werke קורות העתים ed. Brünn, S. 18. Iß, die Ereignisse, welche in der Schreckens zeit zwischen dem Feste der Erlösung von Ham an und dem der Erlösung von Pharao sich hier zugetragen haben. Sonst hat kein Zeitgenosse — das Rabbinat war damals unbesetzt — über diese zweite Zerstörung der Gemeinde Schriftliches!unterlassen. Wie wenig sich aber mündliche Ueberlieferungen erhalten, zeigt sich darin, dass die jetzige Generation, die Enkel der Zeugen dieses Ereignisses, sich nicht zu erinnern weiss, jemals darüber etwas vernommen zu haben. Selbst die ältesten Leute haben keine Erinnerung daran, woher die Gräber in den Tempelgarten