Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Ein Brief Elijah Levita's an Sebastian Münster
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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252 Ein Brief Elijah Levita’s an Sebastian Münster, naeh der von letzterem 1531 besorgten Ansgabe desselben aufs Neue lierausgegeben und mit einer deutschen Uebersetzung und Anmerkungen versehen. Von Dr. Moritz Peritz in Liegnitz. Wer die Geschichte des 15. und 16. Jahrhunderts, der Zeit der Wiederbelebung der Wissenschaften, mit Aufmerksam״ keit verfolgt, der muss die Wahrnehmung machen, dass damals von Seiten vieler Gelehrten oin nicht geringer Eifer auf die Erlernung gerade der hebräischen Sprache verwendet wurde. Aber nicht die Liebe zu diesem Wissenszweige an sich war die treibende Kraft dabei; vielmehr Endet dieses Streben am ehesten seine Begründung, wenn man an die vielfachen theologischen Streitigkeifen denkt, welche damals allenthalben die Gemüther erregten. Kam es doch dabei in erster .Hoihe darauf an, die Bibel, das Buch, welches Allen ]!eilig war, aus dem allein inan die Beweise für die Wahrheit der Lehre, zu welcher man sich bekannte, herholen und erbringen konnte, genau zu kennen, ja bis in seine tiefsten Geheimnisse zu erforschen. Das aber, so wusste man, war nur möglich, wenn man des Hebräischen mächtig war, der Sprache, in der die Bibel ur״ sprlinglich, verfasst worden, ist; nur aus dem Urtexte war doch der rechte Sinn und die wahre Bedeutung der Lehren und Gesetze, der Hinweise und Andeutungen sicher und genau zu finden und zu verstehen. Man musste also Hebräisch lernen. Die Einzigen aber, die in jener Zeit fähig waren, den erforderlichen Unterricht zu ertheilen, waren gelehrte Juden; an diese musste man sich wenden, wollte .man sich nicht mit der Unterweisung der wenigen, in der Eegel nicht sehr zuverlässigen und seiten genügend unterrichteten getauften Juden begnügen. So kam es, dass trotz des Yorurtheiles, mit welchem man auch damals selbst in Gelehrtenkreisen den Juden und ihrer Religion, gegenüber stand, ein reger persönlicher und