Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Geschichte der Targumim nach talmudischen Quellen
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 11)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Targumim nach talmudischen Quellen. 251 etwa 117), und nur bei dem letzteren Ereigniss ist die An- Wesenheit des R’ELieser (baba Mezia 59B) und die des R? Josua (Erubin 41a לאחר פטירתו של ר׳ גמליאל, conform mit Tossefta Thaanitli II, 5) verbürgt. Es ist undenkbar, dass dieselben Personen bereits siebzig Jahre früher hätten Entscheidungen treffen und mit Ehrentiteln belegt werden können. Zwischen 72 und 81 also hat Akylas seine Ueber- Setzung unter den Auspicien von R’ Elieser und R’ Josua vollendet. Nun vergegenwärtige man sich die Situation und prüfe, ob der Zeitabschnitt nach der Tempelzerstörung und nach der Verbannung Israels geeignet war für die Herstellung einer neuen Bibelübeitragung in die griechische Sprache. Von Aussen her kann die Anregung dazu nicht erfolgt sein, da in dieser Periode des tiefsten politischen Niederganges die Zu- Stimmung palästinensischer Autoritäten dem Auslande schwerlieh begehrenswerth erscheinen konnte; von Innen heraus nicht, weil den Führern in dieser kritischen Zeit andere Sorgen wohl näher liegen mussten als die, die Septuaginta zu untergraben. Man verpönte damals bekanntlich das Erlernen des Griechischen und sollte doch im Angesichte der Trümmer Zions keine wichtigere Beschäftigung als die Förderung einer solchen Uebersetzung gekannt haben? Nur ein aramäisches Targum konnte in diesen schweren Tagen Interesse erwecken; den aus der Heimat Verbannten die Thora in der ihnen verständlichen Sprache auf den dornenvollen Weg mitzugeben und jene selbst dadurch vor schädlichen fremden Einflüssen zu sichern, das war ein verdienstliches Werk, und zu einem solchen zeitgemässen Unternehmen gaben die leitenden Persönlichkeiten ohne Zweifel freudig ihre Zustimmung. Die Abfassung des aramäischen Pentateuch -Targums in eine frühere Periode, insbesondere in die Zeit vor der Tempel- Zerstörung zu verlegen, was Luzzato (Oheb Ger., S. 24) mit einer hier nicht weiter zu. prüfenden Beweisführung zu behaupten versucht — begegnet keinem anderen Bedenken als dem: dass offenbar gerade der Fall Jerusalems erst den Gedanken wachgerufen haben wird, ein solches bleibendes Werk zu schaffen. Jabneh, wo die durch die neue Lage bedingten Veränderungen beschlossen wurden, war auch der geeignete Ort für die Schaffung eines aramäischen Targums. (Fortsetzug folgt.)