Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1894-01-01 · Heft 5 · p. Seite 204

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
38 (1893-1894)
Issue
Heft 5
Article
Zur Geschichte der Targumim nach talmudischen Quellen
Date
1894-01-01
Page
Seite 204 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829654-2829660-2878227--25518-2878251
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

204 Zur Geschichte der Targumim nach talmudischen Quellen. Es soll entweder nur die private Leetüre (Maimonides im Commentar und im Mischneh Thora Sabbat 23, ly) oder nur die Verwendung beim öffentlichen Gottesdienst (Rasch! zur Mischna) oder Beides (das.) untersagt sein. Nur darin herrscht Uebereinstiramung, dass dieses partielle Bibelverbot bloss für den Sabbat gelte, und auch da noch mit zeitlichen oder örtlichen Einschränkungen (Sabb. 116B). Schon hieraus ist zu erkennen, wie gezwungen diese Auffassung ist. Die Tefillin, deren Gebrauch am Sabbat ganzlieh ausgeschlossen ist, geniessen ganz selbstverständlich die Schutznahme vor Eeuersgefahr. Den Ketubim aber, einem wesentlichen Bestandteile des kostbaren NTationalschatzes, sollte dieses Vorrecht erst durch die Mischna zugesprochen werden? Die ungleiche Behandlung der Propheten und Hagiographen beruht nun darauf, dass nur die ersteren zur Haftara zugelassen sind. Daraus indess zu folgern, dass darum in den Hagiographen am Sabbat zu lesen überhaupt untersagt sei, würde erst dann zulässig sein, wenn für die Ausschliessung der Ketubim von der Haftara ein einleuchtender Grund anzugeben wäre. Denn die von der Mischna gegebene Begründung — wegen Störung der öffentlichen Belehrung ist das Lesen in jenen Schriften verboten — trifft die prophetischen Bücher genau so wie die Ketubim, da beide Serien von Schriften der Erbauung dienen und die Belehrung hindern könnten. Die von Ras'chi den Ketubim beigelegte Anziehungskraft auf den Leser (משבי לבא) kann auch den Büchern der Propheten nicht abgesprochen werden, ist ferner in den talmu di sehen Quellen nicht begründet und darum nicht ausreichend, um die Aus- Schliessung der Hagiographen zu motiviren. Eine Gefährdung des öffentlichen Unterrichtes könnte doch nur durch einen schrankenlosen Vortrag entstehen, der die verfügbare Zeit vollauf in Anspruch nimmt. Demnach muss die Gefahr nicht sowohl ln der Qualität als vielmehr in der Quantität des Vortragsstoffes liegen, und auch die Vorlesung aus den Propheten könnte בטול בית המדרש herbeifiihren und wäre sicherer durch eine grundsätzliche Beschränkung des Pensums, als durch den Ausschluss der Hagiographen von der privaten oder der öffentlichen Leetüre beseitigt worden. Vollends unhaltbar wird diese Auffassung der Mischna dadurch, dass bereits dieTossafisten (zuSabbat24a)constatirt haben, dass auch die prophetischen Bücher einer zeitweiligen Beschränkung unterworfen sind, indem eine Haftara darin für den Sabbat-Nachmittag untersagt war. Danach durften die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.