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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1894-01-01 · Heft 4 · p. Seite 185

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
38 (1893-1894)
Issue
Heft 4
Article
Der Sturm der Tarnogroder Conföderirten auf Posen am 25. Juli 1716
Date
1894-01-01
Page
Seite 185 (sequence 2)
Language
German
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Der Sturm der Tarnugroder Conföderirten auf Posen. 185 Ansinnen durcl12;uführen, wurde die Conföderation von Tarnogrod geschlossen, die alsbald daran gierig, mit bewaffneter Hand dem Könige die Erfüllung dieses Begehrens abzudringen. Am 25. Juli 1716, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag stürmte Skorzewski, der Marschall der Tarnogroder Conföderation, Posen. Durch das Wronker Thor1) fast ohne Widerstand, unter Niedermetzelung der sächsischen Besatzung, einige Tausend Mann stark, eingedrungen, schienen sie es von vornherein auf Ein Ziel abgesehen zu haben, die Plünderung der jüdischen Gemeinde. Alles nieder stechend, was ihnen in den Weg trat, bedienten sie der Juden, die sie am Leben Hessen, sich nur dazu, um die letzten Schlupfwinkel und Verstecke in ihren Häusern sich zeigen zu lassen, in denen die Unglücklichen die Beste ihrer Habe in Sicherheit hatten bringen wollen. Selbst die Gotteshäuser, so viele die Gemeinde deren zählte, entgingen der entfesselten Habgier der Plünderer nicht. Es war der Zerstörungsmonat der jüdischen Geschichte, man zählte den fünften Ab, als das Verhängniss über die Gemeinde der Posener niederging. Die heilige Lade wurde erbrochen, die Gesetzesrollen mit ihren! Schmucke, das treugehütete Palladium der Gemeinde, die gold- und silbergestickten Vorhänge fielen in die blutbefleckten Hände einer wilden Meute. Leichen deckten den Boden der Synagogen und ihrer Höfe. Sieben Stunden hatte das Morden und Plündern gedauert. Zarte Kinder hatten die Unholde aus den Fenstern der Stockwerke, in denen sie raubten, auf die Strasse geworfen. Vierzig Erschlagene zählte die unglückliche ihrer Habe beraubte Ge־ meinde, darunter Männer von der Gelehrsamkeit und der Frömmigkeit des Babhinatsbeisitzers B. Jechiel b. Jehuda2). Auch die erste Frau des berühmten Darschan von Posen B. Arje Löb b. Josef, Treine, die Tochter Bars, hatte bei dem Gemetzel das Leben verloren. Ihr Sohn Elia, nachmals Babbiner in Landsberg an der Warthe, trug bis an sein Ende am Haupte die Narbe der Wunde, die er, hinter dem Vorhang der 11. Lade in der grossen Synagoge von Posen versteckt, als Kind von sechs Jahren durch einen Splitter, der ihn traf, erlitten hatte3). Hunderte ihrer Mitglieder, Männer und Frauen, hatten Schwerthiebe und Brandwunden von den Plünderern davongetragen und vermehrten jetzt, der Pflege 1-) Wuttke, Städtebuch des Landes Posen, p. 409. 2) Das Verzeichniss des Märtyrer aus den Memorbüchern von Posen verdanke ich der Freundschaft des Herrn!Rabbiners Dr. Ph. Bloch. 3) Vgl. [S. Landsberg] ,תואר פני שלמד p. 34.

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