Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Über ein Midrasch-Fragment in der Stadt-Bibliothek zu Trier
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Uebor ein Midrasch-Fragment. Handschrift dürfte ursprünglich etwa 32 Ctm. breit und 85 Ctm. hoch gewesen sein; gegenwärtig misst die Breite der Blätter nur 28 Ctm. und ihre Höhe nur 23 Ctm. Was das Alter der Handschrift anlangt, so lässt sich nur der terminus ad quem im Allgemeinen durch das Druckjahr der Inkunabel und den gleichaltrigen■1) Einband bestimmen, wonach die Handschrift jedenfalls nicht unter das 15. Jahrhundert hinabreichen dürfte. Ob sie aber um Vieles älter sei, möchten wir nicht entscheiden. Vorherrschend in ihr, wenn auch nicht streng durchgeführt, ist die scriptio plena. Das א sieht noch immer einem י mit darauf folgendem 1, ebenso das צ einem י mit folgendem נ ähnlich, und das 1 ist von dem Schluss-Hun nicht zu unterscheiden; dagegen ist das ה vom ח bereits vollkommen und deutlich unterschieden und ebenso das לן mit dem 1 nicht mehr zu verwechseln, der verticale Euss ist mehr an das linke Ende des darüber befindlichen Querstrichs gerückt, wenn, er ihn auch noch stets berührt. Die verschlungene Silbe hat nicht nur beim G.ottesnamen, sondern auch bei Personennamen wie אליהו ,שמואל u. s. w. die Form eines Jod mit einem ovalen Haken darüber, demselben, der auch über den beiden Jod des Gottesnamens sich befindet, also: Die Schrift ist nicht nur deutlich und leicht leserlich, sondern auch der Form nach schön. Zu bedauern ist nur, dass beim Ablösen der Blätter ein Theil der Schrift an den Deckeln haften geblieben ist. Jedoch war es mir möglich, auch die schwerer lesbaren Stellen mit Hilfe des Spiegels von den Deckeln — bis auf etwa 2 bis 3 Wörter — mit Sicherheit abzulesen. Wie aus einer Randbemerkung, von der noch später die Rede sein soll, hervorzugehen scheint, war der Midrasch nach Piska’s geordnet; sonst ist von einer EintheiJung in den Fragmenten nichts wahrzunehmen, vielmehr folgen die einzelnen Auslegungen, ohne durch Absätze oder andre Merkmale sich sichtbar von einander abzuheben, unmittelbar auf einander. Betrachten wir die Fragmente etwas näher, so ergiebt sich auf den ersten Blick, dass der Midrasch, dem sie angehören, nach Anlage und Inhalt den beiden Tanchuma sehr nahe verwandt war, ohne doch mit einen! von beiden idenl) Laut freund!. Auskunft des Herrn Bibliothekars und Archivars K e u f f e r.