Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die jüdischen Schüler des Antonius Musa Brasavola in Ferrara
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 6)
- Language
- German
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132 Die jüdischen Schüler des Antonius Musa Brasavola. Jehuda, wie wir jetzt wohl einfach statt Samuel דלימה schreiben können, sind aber die jüdischen Beziehungen des ausgezeichneten Philosophen, Arztes und Naturforschers von Ferrara nicht erschöpft. Es hiesse, seines Pylades vergessen, wenn in diesem Zusammenhänge nicht auch seines jüdischen Freundes und Mitarbeiters Amatus Lusitanus gedacht würde. Nennt ihn doch Amatus in seinem In Dioscoridis Anazarbei de rnedica materia libros quinque enarrationes ernditissimae (Venedig 1553) p. 7: Antonius Musa Brasauolus, mihi Piladea quadam amicitia coniunctus, vir et morum sanctitate, et emditione non vuigari insignis, und vollends in derzvveiten seiner Centimen (Ven. 1552) p. 62: Antonius Musa Brasauola, nobis pyladaea amicitia coniunctus. Die wissenschaftlichen Beziehungen beider Männer, besonders auf dem Gebiete der Kunde der Officinalpflanzen, waren die innigsten. In Brasavolas Museum* 2), in seiner auserlesenen Droguensammlung lernte Amatus die seltensten Er- Zeugnisse der Pflanzenwelt kennen, wie er wiederum nicht säumte, den Freund mit den Seltenheiten bekannt zu machen, die ihm durch seine Verbindungen zugingen. In Brasavolas Hause hat Amatus auch den Engländer Johannes Falconer, den Pflanzenforscher und Besitzer des ersten Herbariums kennen gelernt 1), der nachmals die Anlage und Pflege botanischer Gärten nach seiner Heimat verpflanzt hat. Unter den zahlreichen christlichen Freunden des Amatus lernen wir in Brasavola denjenigen kennen, mit dem er während der sechs Jahre seines Aufenthaltes in dem an Aerzten und Naturforschern so reichen Ferrara 2) auf das Innigste verbunden war. Sicher wird neben dem Rufe des Meisters seine edle Denkungsart, die ihn zu einer wahren Nachblüthe des Humanismus macht, seine jüdischen Schüler aus Padua herübergelockt haben. Budapest, den 24. October 1893. 2) Hier hat Amatus auch die beiden Weine gekostet, von denen der eine 100, der andere 150 Jahre alt war. S, Curationnni medicinalium centuria prima (Florenz 1551) p. 1T6. . Vgl. Ernst H. E. Meyer, Geschichte der Botanik IV, 237—42,' ג) Dioseoiides a. a. 0. p. 22ö, vgl. Meyer a. a. 0. 240, 270—72 11. Dictionary of national biography XVIU, 161. 2) Diosc. IV, enarratio o; p. 374 berichtet Amatus: Eerraria, ad quam, quicunque de re herbaria, veluti de bona medicina exactain notitiam habere desiderat, accedat consulo: 8u11t enim Ferrarieuses, coelesti quodam itifliixu fauente, medici doctissimi, ac rer um naturalium cognoscendarum diligentissimi, qua de causa, apud eos, per sex annos, nuuquam poeuitendos commorati sumus.