Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die jüdischen Schüler des Antonius Musa Brasavola in Ferrara
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 5)
- Language
- German
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Die jüdischen Schüler des Antonius Musa Brasavola. 131 Dieses Todtenregister von Posen1) setzt mich aber auch in den Stand, den eigentlichen Schüler Brasavolas, dem wir die Kunde der übrigen verdanken, Samuel de Lima als den Begründer einer Aerztedynastie zu erkennen, die, wie ich es bereits für eine andere Posen er Aerztefamilie, für die aus dem Ghetto von Wien hervorgegangenen und 1670 vertriebenen Winkler nachgewiesen habe2), wohl durch ein Jahrhundert das Amt c;es Gemeindearztes vom Vater auf den Sohn vererbt hat. Denn wie auf Samuel sein Sohn Juda gefolgt ist, der als Arzt der Gemeinde Posen zu hervorragendem Ansehen gelangte, so folgt auf diesen sein Sohn Mose, der, wie sein Ehrenname besagt, dem Vater gleich, auch talmudisch gelehrt war, in dem Amte des jüdischen Gemeindearztes. Vielleicht ist er der Medicinsedoctor, Moyses Julka — am Ende Judka zu lesen — der uns in der Urkunde vom 20. Juli 1641 als Hauseigenthümer in Posen entgegentritt3), derselbe Moses, dem in den Posen er Gemeindestatuten zur Pflicht gemacht wird, dreimal wöchentlich die Kranken im Hospital zu besuchen4). Br an 11 hat den Kamen des Urhebers der von ihm an’s Licht gezogenen Eintragung durch Juda b. Samuel de Lima wiedergegeben, eine Schreibung, die den Eindruck eines Eaniiliennamens erweckt und leicht dazu verführen kann, den Ursprung des Geschlechtes gar fern von Polen suchen zu wollen. Weder ein de Lima noch ein de Lemos, wie man sonst diesen Kamen deuten möchte, sind •aus dem Ghetto von Posen bekannt geworden. Keine Urkunde hat bisher ihre Spur gezeigt. Es wird aber, sehe ich recht, ללימא oder ללימה, wie Juda schreibt, durch Sohn des Lema oder Lehmann, wie so häufig der deutsche Geleitname von Juda lautet, zu übersetzen sein. Wie in Prag zum Beispiel der bekannte Baumeister Mardochai Meiseis Josef דהירץ Zoref heisst5), was nichts Anderes als Sohn des Hirz oder Hirsch bedeutet, so hat der Posen er Ahnherr unserer Aerztefamilie sicher Juda Lema oder schlechthin Lema geheissen, so dass wir in Juda wohl seinen Enkel und Namensträger zugleich zu erblicken haben. Mit Abraham Portaleone, Salomo b. . . . und Samuel b. 1) Es heisst daselbst: p ובשמת האלוף הרופא מומתה מהר׳׳ר יודא הוחיל רופא מומחה מחור״ר שמואל וצ*ל, feiner: ונשמת האלוף הרופא מומחה מהור״ר משה בן הותיק הרופא מומחה ר׳ יודא ווצי׳ל. 2) Revue des etudes juives XX, 275—286. 3) Perles, Geschichte der Jaden in Posen, p. 58, N. 71. 4) Ib. 70, N. 20. 5) Kaufmann in Revue des etudes j\1ives XXI, 143, N. 1 und Hock, Die Pamilien Prags, p. 295, N, 1. 9