Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Über das Datum im Evangelium Matthai, 26, 17
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 555 (sequence 19)
- Language
- German
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Ue^er das Datum im Evangelium Matthäi 26, 17. 555 dass die aus verschiedenen Zeiten stammenden Berichte der Evangelien Schritt hielten mit der religiösen Entwickelang der ältesten christlichen Gemeinden und mit dem Verhältniss derselben zum jüdischen Volke und dessen religiösen Parteien. In der Erforschung und Pest- Stellung dieser beiden Punkte liegt der Kern und der Schwerpunkt aller Evangelienkritik. Reiches Material für diese Forschungen findet man in der rabbinischen Literatur. Mögen nur die zünftigen Theologen das aufmerksam lesen, was bei mir S. 98—121 gesagt ist, was ihnen sehr wenig oder ganz unbekannt sein dürfte. Uebrigens darf nicht unbemerkt bleiben, dass die Ergebnisse der neutestamentlichen Kritik ebenso wenig unfehlbar sind, wie die der alttestamentliehen. Früher oder später wird man doch einsehen, dass das Datum in Mat. 26,17 iinmöglieh ist, dass in diesem Texte irgend ein Fehler steckt und dass Christus nicht weniger als zwei Tage vor dem Feste der ungesäuerten Brote seine Schüler beauftragt hat, das Passaopfer vorzubreiten*, denn seine Kreuzigung hat unzweifelhaft vor den! und nicht am Festtage stattgefimden. In diesem Falle giebt es auch keinen Widerspruch zwischen den Synoptikern und dem Ev. Johannis, und folglich gehen auch alle Hypotliesen, welche auf der Voraussetzung, dass ein solcher vorbanden sei, beruhen, und die in der Evangelienkritik eine hervorragende Rolle spielen, in Dunst und Rauch auf. Herr Holtzmann wird wahrscheinlich in den nächsten Ausgaben seiner Commentare und seiner ״Einleitung“ noch seine Augen vor dieser Wahrheit verschliesen; aber dieselbe wird sich Bahn brechen, und ich bin auch vollkommen überzeugt, dass so mancher Paragraph in den Einleitungsschriften und so manche Seite in den neutestamentlichen Commentarien in Folge der Resultate meiner Abhandlung werde geändert oder ganz gestrichen werden müssen. Ein Buch, welches Herr Schürer zwar ein ״Kartenhaus“ nennt, die gelehrten Juden dagegen als ein ״litterarisches Ereigniss“, als eine ״litterarische Thal“ ansehen, wird nicht spurlos verschwinden. Die neutestamentlichen Theologen werden allmählich einsehen, dass sie von den gelehrten Juden für ihr Fach noch Vieles lernen können; denn diese — ich sage es geradeheraus — verstehen das Neue Testament besser als die christlichen Theologen, weil dieses ״Bein von unserem Gebeine und Fleisch von unserem Fleische ist.“ Manebach in Thüringen, den 15. Juli 1893. 36*