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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 11 · p. Seite 489

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 11
Article
Über die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie
Date
1893-01-01
Page
Seite 489 (sequence 1)
Language
German
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489 Ueber die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie, Eine Studie von. Dr. K. Köhler. - (Schluss). II. Zubz, der in allen seinen Forschungen den litterar-historischen, nie den organisch - geschichtlichen G esichtspunkt vorfolgte, setzt das Kaddischgebet in sehr späte Zeit und lässt es aus der kirchlichen Seelenmesse entlehnt sein. Allein schon das zweite Makkabäerhuch, dessen Geschichtlichkeit, trotz seiner Chassidäerlegenden, in ־jüngster Zeit von Schlatt er in seinem ״Iason von Oyrene“ so gut wie erwiesen worden, erzählt uns, dass Juda Makkabi, nachdem er und seine Leute nach gewonnenem Sieg über Gorgias den Sabbath durch Heiligung ihrer Person (für das gewohnte Mahl) — קדוש — Nachts und des folgenden Tages beobachtet hatten, die Beerdigung der Gefallenen vornehmen liess, hei welcher Gelegenheit sie, angesichts der vorgefundenen heidnischen — (wohl גלולי אמורים statt Jamnensischer?) — Amulette bei den Gefallenen, das auch sonst schon in Gebrauch gekommene Gehet צדוק הדין ,,Preisung Gottes als des gerechten Richters F (Tobias 3, 1; II. Makk. 7, 38; Gesang der 3 Jünglinge, 3; Esther Zusatz 3, 6; Psalm Salomon II, 16 u. VIII, 7) sprachen. Dann brachte er aus dem Lösegeld der Krieger ein Sühnopfer dar und betete für die Vergebung der Lebenden sowohl als für die der Gefallenen, ״dass der den frommen Entschlafenen zugehörige Gnadenlohn — das ופות ישני עפר des Achtzelmgebets — ihnen zu Gute kommen möge!“ Dieses Sühnopfer für die Todten, wohl auf Deuteron. 21, 8 basiert׳, ist als Seelenfürbitte auch in Sifre z. St. und Tanchuma Haasiuu Anf. anerkannt (s. Horioth 6 a). Nun knüpft bekanntlich die katholische Seelenmesse gerade an diese Makkabäergeschichte an. Fehlt nun wirklich zwischen dieser Stelle und der Weisung des R. Isaak aus Wien im XIII. Jahrhundert über das Kaddischgebet bei Todesfällen jeder Zusammenhang? Werden solche tiefgewurzelte Volksgebräuche wirklich von irgend einem Mystiker erfunden oder entlehnt? Monatsschrift. 37. Jahrgang. 32

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