Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Über die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 451 (sequence 11)
- Language
- German
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Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie. 451 Auch unsere Tisch- und. Dankgebete sind nicht Schöpfum gen der späten engherzigen Schulen, in denen man schwerlieh (mit Zusammermiengung eines hebräischen und eines griechischen Wortes ומפרנס pft) ״den Ernährer aller Geschöpfe“ mit seinem שם הגדול an gebetet hätte, und besonders um die ״Gabe aus Seiner und nicht aus Menschenhand“, sondern sind aus dem Vereinsleben der Heiligen-Genossenschäften der Essäer oder Chassidim hervorgegangen. Aber auch die Neumondsgebete mit ihren Neumondsmahlzeiten, von denen Mas. Soferim Kunde giebt (XIX, 9 S. Mueller 270f.) weisen mit Bestimmtheit auf die Aeltesten hin, die zum genossenschaftlichen Mahl zusammengekommen, also wiederum auf Chassidini-Führex. Wie wäre es nun, wenn sich zwischen den מעמדות mit ihren Anknüpfungen an die Mysterien des מעשה כראשית und ihren allwöchentlichen zwei Fasttagen und den ersten Begründen! der Judäerkolonie von ״Frommen“, dem Laienpriesterthum, eine enge Beziehung aufzeigeu liesse? Wir besitzen ein merkwürdiges Zeugnis von Theophrast, dem Schüler Aristoteles’, dass die Opferbeistände der Juden — wie Bernays richtig gesehen: die מעמלות — beim tagliehen Brandopfer, das mit (Honig psXi, soll heissen:) aXt Salz und Wein begossen wurde, in den dazwischenliegenden Tagen fasten und, der Philosophie ergeben, über die Gottheit Gespräche führen, des Nachts aber Himmelsbeobachtungen machen nnd die Sterne beschauen, während sie in Gebeten Gott anxufen“ S. Bernays: Theophrast S. 80—115. Soll das wirklich nur ein ״Fischermärchen“ sein? Oder sollte nicht der wohl zum Studium der Balsamstaude nach Jericho gelockte Naturforscher in der Essäeransiedlung, woselbst die אנשי יריחו eine besondere Abiheilung der An sehe Maamad gebildet, einem Essäergottesdienst beim Aufgang der Sonne mit beigewohnt haben? Waren es doch gewiss solche Juden, die auf Aristoteles selbst, nach Klearchos’ Zeugnis, den Eindruck von sittenstrengen, enthaltsamen Philosophen, die an die indischen Büsser gemahnen, gemacht haben! Hier ist freilich Alles Yermuthung. Aber ein Stein schliesst sich an den anderen, und so entsteht eine Brücke über die weite Kluft. Heber das Alter des vielumstrittenen Kaddisch wie der Keduscha und des אכינו מלכנו will ich mich im nächsten Artikel ausführlicher verbreiten. (Fortsetzung folgt.)