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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 10 · p. Seite 441

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 10
Article
Über die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie
Date
1893-01-01
Page
Seite 441 (sequence 1)
Language
German
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441 Lieber die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie. Eine Studie von Dr. K. Köhler. I. Die Entstehung des synagogalen Judenthums liegt, trotz aller bisherigen Forschungen, noch in völligem. Dunkel. Zwischen dem Opfercultus des Tempels unter der Leitung der Priester vom Hause Zadok’s und dem Gemeindegottesdienst im Betlocal gähnt eine Kluft, über die die Wissenschaft noch keine Brücke zu bauen vermocht hat. Wohl hat der Priester dienst, nach der ־ II eberliefer ung der Misclinak (Tamkl IV, 1 und Rosch Haschanah IV,3), bereits die Gebet- Ordnung aufgenommen, die mit Bar’ehu und Schmä beginnt und mit dem Priest er segen שלום endet; allein das Verhältnis der Priesterabtheilung zu dem Laieninstitut der Opferbeistände — Ans che ha Maamad — (siehe Joma 37 b) und der Mangel einer eigentlichen Gebethalle im Tempel verräth doch nur das späte Zustandekommen eines Compromisses. Aus dem mosaischen Cultus hervorgegangen, also eine Schöpfung der Priestersatzung, ist ein für allemal die Gebetandacht nicht. Wo also ist der Ursprung derselben zu suchen? Loew’s Auffindung eines ״Volkshauses“ in Jeremia’s Zeit (Jer. 39,8) ist geistreich (siehe Monatsschrift, Jahrgang 1884, S. 103ff.) und vielleicht zutreffend, aber sie löst das Problem nicht. Im GegentheiL War das Bedürfnis einer Lehr- oder Vortragshalle schon beim zweiten Tempelbau vorhanden, so hätte Ezechiel wie der Pentateuch für eine solche Raum schaffen sollen, so gut Avie man wenigstens noch für die Gesetzesverlesung alle sieben Jahre ein Gebot in Deuteronomium 31, 10 bis 13 einzuschieben für gut fand. Die erste thatsäehliche Erwähnung eines בית תפלה findet sich in der exi'lisehen sogenannten deutero-jesaianischen Schrift (Jes. 56, 7.) Der im Kreise der frommen Anavirn oder CJhassidim ״Gottestreuen“ predigende Prophetenjünger verkündet die Zeit, in der der wiedererstehende jerusalemische Tempel zum ״Gebetshanse für alle Völker“ werden wird. Also er Monatsschrift. 37. Jahrgang. 29

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