Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 356 (sequence 12)
- Language
- German
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356 Zur rahbinischen Sprach* u. Alt er thum stunde. Zustände des ״vortalmudischen Judenthums“ nicht vor־ geworfen werden kann, so kann dieser Satz nur clen Sinn haben, dass er die Zustände des Judenthums, wie sie vor Abschluss des Talmuds bestanden, gekannt habe. Wenn aber, was jedenfalls mit cler Bezeichnung beabsichtigt ist, unter dem vortalmudischen Juden thum das des ZeitaLters Jesu verstanden sein soll, so entspricht sie durchaus nicht den wirklichen Verhältnissen, denn das talmudische oder rabbinisohe Judenthum, was eins und dasselbe ist, datiert von Esra. Dies erklärt, weshalb der 4. Evangelist sieb nicht, gleich der Synopse, auf die Schrift beschränkt hat, um Jesus darin vorgedeutet zu finden und sie in dessen Lebens- und Leidensgeschichte als erfüllt nach zuweisen. Bei ihm besitzt Jesus weit mehr Actualität, als in der Synopse, insofern er selbst solche Feste und Einrichtungen, die dem rabbinischen Zeitalter angehören, wie Chanuka, die Wasserlibationen und Anderes, was oben ausführlich besprochen wurde, auf seine Persönlichkeit und Lehre zu beziehen weiss. Dies ist das Yerhältniss des 4. Evangelisten zum Rabbinismus, welches natürlich nur ein mit dem Wesen des letzteren genau vertrauter Jude sich zurecht legen und darstellen konnte, und die Beflissenheit des Evangelisten, keiner scheinen zu wollen, die selbst bis zu affectierter Fremdheit, wenn nicht Gehässigkeit sich steigert, spricht nur um so deutlicher dafür, dass er einer war. Nachschrift. Herr Prof. Dr. Chwolson in Petersburg theilt mir mit, dass er in einer nächstens erscheinenden Schrift ״Das letzte Passamalil Christi und der Tag seines Todes“ ebenfalls die Auffassung Hilgenfelds und Siegfrieds von dem Worte ״Chaber“ hestreite. Ich mache aus diesem Grande, aber auch wegen anderer Ansichten, in denen ich nach Einsichtnahme in einzelne mir zugesandte Correcturbogen mit Prof. Cliwolson übereinstimme, auf die Schrift desselben aufmerksam. Beiträge zur rabbinischen Sprach- und Alterthumskunde, Yon Dr. J. Perles in München, - (Fortsetzung). Nebucadnezar wird in den Midraschim,Pesikta rahb.TBb, und Pesikta di R. Kahana 112a כנסא דבבל der babylonische Zwerg genannt, ebenso in Ber, R. c. 16 und Lev. R. c. 13, citirt bei Aruch 3 קדט (die beiden Stellen fehlen in unseren