Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 345 (sequence 1)
- Language
- German
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345 Neutestamentliche Studien. Von Oberrabbiner Dr, M. Güclemanm in Wien. Das IV. (Johannes-) Evangelium und der ßabhinismus. (Schluss.) Den vorstehenden Ausführungen lassen sich noch andere Stellen anreihen, welche auf das rabbinische Judenthum zurückweisen. So z. B. 3, 13 ״Und es ist doch Niemand in den Himmel aufgestiegen, ausser der vom Himmel herabgestiegen ist, der Menschensohn, der im Himmel war“. Der Satz erklärt sich weder hinlänglich durch Deuter. 30, 12, noch ist er, wie Oscar Holtzmann meint, Rom. 10, 5 entlehnt, sondern seine Pointe empfängt erst die rechte Beleuchtung durch die Boraita Sukka 5a: ,,Niemals ist die Schechina herabgestiegen, noch sind Moses und Elijahu hinaufgestiegen, denn es heisst Ps. 115,16: ״Die Himmel sind des Ewigen Himmel, und die Erde hat er den Menschen gegeben“. (An der Spitze der Boraita steht der Name des B. Jose, der aber deshalb nicht der Autor des Spruches zu sein braucht, sondern bloss der Tradent sein kann). Eerner ist die Stelle 8,35 ״Der Knecht aber bleibt nicht im Hause für immer, der Sohn bleibt für immer“ nicht, wie vielfach angenommen wird, der Geschichte von Ismael (Gen. 21) entlehnt — Ismael ist doch nur für Sarah ״der Sohn der Magd“, für Abraham ist er ״sein Sohn“ —, auch ist er viel zu einfach gehalten, als dass mail ihn mit der dialectischen Auseinandersetzung Gal. 3 und 4 in Zusammenhang bringen dürfte, wie Oscar Holtzmann thut (den ich deshalb hervorhebe, weil H. Holtzmann (S. 12) sich auf ihn als denjenigen beruft, der die ״Beweise“ dafür zusammengestellt hat, dass dem Evangelisten ״Unkenntniss der Zustände des vortalmudischen Judenthums nicht vorgeworfen werden kann“. — ein, wie diese Abhandlung zeigt, sachunkundiges Urtheil, welches beide, den Lobenden wie den Gelobten, charakterisiert), sondern gerade wegen seiner Einfachheit erweist sich der Gedanke als dem Anschauungs- und Bilderkreise des haggadischen Midrasch entnommen, in welchem die Gegenüber- Stellung von Knecht und Haussohn, die übrigens schon in der Bibel beliebt ist (Jerem. 2,14. 31,20), ungemein häufig wiederkehrt (Abot III, 14. Bab. batr. 10a. Kiddusch. 36 a lind sonst;. Ein derartiger, die Stellung des Sohnes be- Monatsschrift87 .־. Jahrgang. 23