Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 344 (sequence 3)
- Language
- German
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344 Besprechungen. Aura. 32, glaubt er z. B. einem derselben, dass der um 1188 lebende Mainzer Vorbeter B. Mosclieh Cohen b. Elieser, ein Schwager des ״Bokeach“, wahrscheinlich mit einem von Zunz ־(LG494 .־) * erwähnten Dichter identisch sei, während ein kurzer BLick in die Zunzische Lit. Gesch. sofort erkennen lässt, dass die Möglichkeit dieser Identificierung absolut ausgeschlossen ist, weil 1. jener Dichter gar nicht der Sohn eines Elieser, sondern vielmehr eines Eleasar gewesen ist, und weil er 2. reichlich ein Jahrhundert nach 1188 (etwa im Jahre 1300) geblüht haben muss. Dabei sehe ich. gänzlich ab von den ]Fehlschüssen und Irrtümern, die ihre Wurzel haben in der Unkenntnis der gesamten einschlägigen neueren Literatur, insoweit diese hebräisch geschrieben ist, obgleich es gewiss ebenso wenig unbillig wäre, von einem Gelehrten, der die deutschen Geschichtsschreiber über den Lebensgang des B. Elieser b. Nathan und des B. Ephraim b. Jacob unterrichten will, zu verlangen, dass er die vortrefflichen Vorarbeiten Lands hu t’s, Auerbaeh’s uud Michael’s für die Biographien dieser Männer eingehend studiert habe, wie es selbstverständlich nicht mehr als recht und billig ist zu fordern, dass Jemand, der uns .über Lambert von Uersfeld belehren will, sich vorher die Studien von Lindner und Wattenbach — um nur die Beiden zu nennen, die mir im Augenblick gerade einfallen —׳ zu eigen gemacht habe. Herr Bresslau hat mir und manchem anderen aus dem Herzen gesprochen, als er sich jüngst3) in einem Specialfall vernehmen liess, dass es ,,allgemach eine dringende Notwendigkeit geworden sei, dieErzeugnisse dilettantischer Schriftstellerei von dem Gebiete der jüdischen Geschichtsschreibung alles Ernstes zu verweisen, und dass es nicht länger am Platze sei, ihnen gegenüber gutmüthige Nachsicht zu üben.“ Mit Vergnügen will ich —־ und Andere mit mir — ihm helfen, diesen immer amnaasslicher auftretenden Dilettantismus in die Elucht zu schlagen, aber nicht bloss denjenigen, der Kosten mit Bossen4) und Leumund mit Lamdan (5(למדן) verwechselt, sondern auch denjenigen, der einen zerbrechlichen Scherben für einen gebrochenen Bann6) hält, der Urkundenzeilen in Kramläden7) verwandelt, der B. Simeon von Mainz mit Easchis) und B. Jacob von Orleans mit Kaschi’s Enkel9) vermengt, der einfachen biblischen Musivstil für eine Stimme aus den Pijjutim hält10), der ein nach Buch und Capitel angegebenes Bibelwort nicht zu finden weiss11), ja der sogar nicht einmal die geläufigen jüdischen Monatsnamen richtig zu schreiben versteht12), und was dergleichen arge Vexstösse mehr sind. Hier könnte die ״historische Commission für die Geschichte der Juden in Deutschland“ Vortreffliches leisten, wenn sie daran ginge, zufördexst den Dilettantismus in ihrer eigenen Mitte mit Stumpf und Stiel auszurotten. Vielleicht wird sie dann in der Lage sein, der Wissenschaft bessere Dienste als bisher zu leisten. Denn vorläufig genügen die von ihr veröffentlichten Quellenschriften keineswegs den Ansprüchen, die man zu stellen berechtigt ist. Dr. M. Brann. 3) G-eiger, Ztsch. f. d. Gesch. der Juden in DJschl. V, S. 308. 4) Geiger, a. a. O. — 5) Das. III, 66. — 0) Quellen zur Gesch. der Juden in Deutschi. I, 36. YgL. Geiger, Ztschr. III, 299. — 7) Hilgard, Urkunden zur Gesch. der Stadt Speyer, S. 373. Ygl. Kaufmann in der M S., 1886, S. 618 ff. — 8) Quellen zur Gesch. II, S. XV und Anm. 10. — ö) a. a. 0. S. XXY. Die Verwechselung hätte schon vermieden weiden können, wenn nur S. 204, Anm. 72 beherzigt worden wäre. — 10) Geiger, Ztschr. V, 118. Die Phrase וגר 'tt'ITI והאדם רואה לאדם ist aus Spr. 27, 19 u. 1 Sam. 16,7 componiert. — 11) a. a. o. S. 330: ״E8a 26 [das ist: Jes. 26, 10] bis da übergeet der zorn etc.“ [עד יעבור ]זעם]. — 12) Regesten z. Gesch. d. Juden im fränkischen und deutschen Reiche. No. 233. 234. 311. Unberechtigter Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift ist untersagt.