Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Verheerung von Ungarisch Brod durch den Kuruzzenüberfall vom 14. Juli 1683
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 12)
- Language
- German
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Die Verheerung von Ungarisch Brod. 281 meines Bruders Ignatz Kaufmann in Kojetein, nach der mir durch Herrn Bergler gewordenen Abschrift, hier (Y.) vorlegen kann, kraft deren die Herrschaft von Beczko die zumeist aus Ungarisch-Brod in Waag-Feustadtl angesiedelten Juden als geschlossene Gemeinde gegen Abgaben und Versprechungen in ihren bleibenden Schutz nimmt. Wie ein Baum am Besten verpflanzt wird, wenn mit seinem Wurzeln auch von der Muttererde, in der er gestanden, ein Theil mit ausgehoben wird, so nahmen die neuen Ansiedler den Boden der Heimat in dem Seelengedächtnisse mit, das sie für ewige Zeiten den Blutzeugen ihrer Muttergemeinde in ihrem neuen Wohnorte stifteten 1)- Adam Petnehäzy, der Tököly’sehe Reiterhauptmann, unter dessen Führung die Unthat an der kaisertreuen mährischen Gemeinde geschehen war, sollte aber noch einmal einer jüdischen Gemeinde als stürmender Feind gegen üb er treten, die für ihre Treue gegen ihren türkischen Beherrscher verblutete. Aus dem wilden Kuruzzenhäuptling von 1685 war nämlich zwei Jahre darauf, als im Herbste von 1685 der Stern Emerieh Tököly’s im Erbleichen, Neuhäusel erstürmt war, Eperies, Tokai, Källo, Szolnok und Szarwar die Waffen gestreckt hatten 2), ein reuiger kaisertreuer Bekehrter geworden. Bei Grosswardein war es, wo Petnehäzy seinen Rebellenfürsten Tököly zum letzten Gange in die befestigte Stadt begleitete. Er sollte ohne ihn zurückkehren. Denn hier geschah es, dass der Pascha Tököly in Fesseln schlagen und gefangen nach Adrianopel schleppen liess. Seinen Begleiter aber schickte er vor die Stadt mit dem Aufträge, dass er seiner Truppe die Meldung überbringe, Tököly’s Kopf sei dem Grossherrn verfallen, die Uebrigen sollten weiter im Schatten der ottomanischen Herrlichkeit kämpfen 3). Da hielt es unter dem erschütternden Eindrücke dieser Schicksals Wendung Petnehäzy für besser, mit den von ihm befehligten Haufen zum Kaiser überzugehen. Caprara stand vor Kasch au, vor dem letzten Sturme auf die todesmuthig ausharrende Stadt, als ihm die reuige Ergebung des Mannes, der Tököly?s Arm gewesen, gemeldet wurde. Zum ersten Beweis seiner redlich gemeinten Bekehrung erbot sich Petnehäzy, den Widerstand der Festung durch sein Wort■!) Die Mittkeliung in Beilage VI verdanke ich Herrn H. Bergler. 2) J. W. Zinkeisen, Geschichte des osmanisclien Reiches V, 720. 3) St. Kat 0 na. historia critica regum Hungariae stirpis Austriacae XXXV, 189 f. Die Histoire d’Emeric Comte de Tekeli (Köln 1694) p. 178 lässt Tököly laischlich in der Begleitung PetrocPs sich nach Warasdin Monatsschrift. 37. Jahrg. J 9