Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Verheerung von Ungarisch Brod durch den Kuruzzenüberfall vom 14. Juli 1683
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Verheerung von Ungarisch Brod. 271 Nie hatten die österreichischen Lande mit mehr Grund vor dem Halbmonde gezittert. Diesmal war es das Ilerz des Kaiserstaates, gegen das der Stoss der Türkenmacht sich richtete; Kara Mustafa sah sich bereits in seinen wilden Träumen als Herrscher in der Hofburg zu *Wien. Wie der fleischgewordene Geist der Eache für die kaiserlichen Opfer des ungarischen Aufstandes hatte der Graf Emerich Tököly den Türken sich angeschlossen, um als Feuersäule sengend und wegeweisend vor ihnen einherzuziehen. Die Gefahr von aussen übertraf nur noch der Geist der Yerblendüng, der im Innern herrschte. Unter lauter Verhandlungen und Friedensversicherungen hatte man den Erbfeind und seinen doppelt gefährlichen Verbündeten bis an die Thore von Wien herankommen lassen. Verzweifelt beschwor am 30. Juni 1683 Paul Eszterhäzy, der Palatin von Ungarn 0, den Kaiser, ihn nicht der letzten Hülfe zu berauben. Die vier Regimenter Dragoner und Croaten, die ihm zur Vertheidigung der Waag waren beigegeben worden, wurden zum Schutze der mährischen und schlesischen Grenzen zurückgezogen. Jetzt lag auch Obeningarn schutzlos und offen; wie die Fluthen eines an schwellen den Sees ergossen die Tököly’schen Kriegsvölker, die wilden Kuruzzen, sich über das Land. Am 5. Juli musste bereits die ungarische Krone ans dem wehrlos preisgegebenen Pressburg abgeholt und geborgen werden, am 7. entfloh der Kaiser, der am 6. noch gejagt hatte, unter dem Angstgeschrei der verzweifelten Bevölkerung aus Wien nach Passau, am 13. verkündete die ßöthe des Nachthimmels und die brennende Umgebung den Anmarsch des Feindes, der am 14. vor den Wällen der eingeschlossenen Stadt seine Quartiere bezog. An dem Morgen dieses 14. Juli, da der Erbfeind wie eine würgende Schlinge sich um die Hauptstadt des Reiches legte, nahte auch der mährischen Landstadt Ungarisch-Brod ihr Verhängniss. Die letzten kaiserlichen Regimenter waren nach Wien gezogen worden; jetzt war auch die Schleuse geöffnet, durch die Tököly’s Schaaren aus Oberungarn nach Mähren ein strömen konnten. Die erste mährische Stadt, di<e von ihnen getroffen werden musste, so sie nur die Schwelle des Landes übertraten, war Ungarisch-Brod, in dem auch eine ansehnliche Judengemeinde sich niedergelassen und zu gedeihlieber Blüthe entwickelt hatte. Wie ein Schwarm verderblicher Heuschrecken über eine Wiese waren 5000 Tököly’sche Reiter 0 V. v. Renner, Wien im Jahre 1683 p. 210 ff.