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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 5 · p. Seite 214

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 5
Article
Das Schiur Komah
Date
1893-01-01
Page
Seite 214 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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214 Das Schinr Komah. Hechaloth einen, grossen Raum ,einnehmen. Diese hier zu verfolgen, ist durchaus nicht meine Absicht und ist besser Gegenstand einer selbständigen Monographie. Ausser diesen beiden Apokalypsen kennt die alte Literatur noch zahlreiche andere, die in innigstem Zusammenhänge mit den eben erwähnten stehen. Die Apokalypse des Henoch und die Ascensio des Jesaia gehören hierher, ebenso die des Levi im Testamente der XII Patriarchen1) u. s. w. Die Himmelfahrt des Moses und des Ismael stehen also nicht allein da, sondern gehören in eine Litteratur-Gattung, die in den Jahrhunderten unmittelbar vor und nach der gew. Zeitr. in Palaestina geblüht hat. Somit ist ein fester Boden gefunden, von welchem aus weiter geschritten werden kann. Auch ohne dass genauer auf die mannigfaltigen geistigen Strömungen jener Zeiten eingegangen wird, ist es genugsam bekannt, dass um jene Zeit die Phantasie die grösste Rolle in der Religionsgeschichte gespielt hat. Die phantastischesten Erzeugnisse und Ausgeburten eines überreizten Gehirns wurden damals als Religionssysteme auf* gestellt. Die Gnostik in ihrer ganzen Blüthe entfaltete sich um die Wende des ersten und die Mitte des zweiten Jahrhunderts. Das Unendliche nnd Unaussprechliche wurde mit menschlichen Zahlen und Symbolen auszudrücken versucht. Und sparsam war man gewiss am allerwenigsten mit Zahlen, wenn es sich darum handelte, himmlische Elemente zu beschreiben. In der Offenbarung des Johannes, die, wie sich jetzt herausstellt, eine wenig veränderte jüdische Apokalypse ist, haben wir ein sprechendes Beispiel dieser Zahlenmalerei. Etwa genau so muss die Beschreibung der himmlischen Heerscharen in der Apokalypse des Ismael gelautet haben. Verbaltnissmässig am einfachsten hat sich die des Moses erhalten, aus dem einfachen Grunde, weil sie durch die vorhergehende, mehr phantastische des Ismael, verdrängt wurde. Sie diente auch nicht wie jene den praktischen Zwecken der niederen Magie und ist daher von zahlreichen Umarbeitungen und Interpolationen verschont geblieben. In allen jedoch findet sich dieselbe überschwengliche Sprache und der Versuch, die himmlische Herrlichkeit und die Majestät Gottes durch Uebertreibung und Vergrösserung in’s Unendliehe auszudrücken. In den Texten, wie sie sich uns erhalten haben, werden die sieben Himmel, und deren Bewohner be- 1) Testa menta XII Patriarcharum ed. E. Sinker Cambridge 1869, p. 138 ff., vgl. J. Schnapp. Die Testamente der zwölf Patriarchen, Halle 1884, p. 23 ff.

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