Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 7)
- Language
- German
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194 Emancipations-Bestrebungen in Breslau. Kleinen das einreissen za lassen, was in Frankreich jetzt ini Grossen herrsche, nämlich Anarchie1), da schien es in der That, als ob von nun an die Gemeinde, nach innen und nach aussen geordnet, von Frieden und Eintracht beseelt, auf dem besten Wege zur Blüte and zu geistig-moralischer Aufklärung wäre. Aber es schien auch nur so! Die ersten trüben Gewitterwölken warfen bereits ihre Schatten voraus, und es währte nicht lange, bis der Sturm gerade an einer Stelle losbrach, an welcher Niemand der zunächst Beteiligten es je vermutet hätte. II. Entstehung der Königlichen Wilhems-Schule. Unter den von Zimmermann 1789 gemachten Yorschlägen war es ganz besonders derjenige der Gründung einer jüdischen Unterrichtsanstalt, der auf den hochgebildeten Grafen Hoym den besten Eindruck gemacht hatte, und zwar um so mehr, als auch in dem Beformprojekt der Berliner königl. Kommission die referierenden Kriegsräte eifrig für die Verbesserung־ desSchul-und Erziehungswesens der Juden eingetreten waren. *2) Der Minister gewann bald die Überzeugung, dass eine Besserung und Aenderung der jüdischen Verhältnisse in Breslau unbedingt von diesem Punkte ausgehen müsse. So entstand der 13. Paragraph des Maiediktes, welcher lautete: ״Es ist schlechterdings notwendig, dass in Breslau eine ordentliche aas einigen Klassen bestehende Unterrichtsschule eingerichtet werde; bei dieser Schule sind vernünftige Lehrer anzustellen, die ausser den. Religionsgebräuchen den Kindern vorzüglich reine Moral, Menschenliebe und Unterthanen-Pflichten lehren, im Schreiben, Rechnen, Sprachen, Geographie, Geschichte, Naturwissenschaft u. s. w. Unterricht geben. Die Ausführung dieser Sache kann keine grosse Schwierigkeit haben, da die Judenschaft ein eigenes Gemeinhaus besitzt und es an Platz dazu nicht fehlt. Die Unterhaltung der Lehrer muss aus der Gemein- 1) Ansetzung etc. der;Repräsentanten. 2) Geiger, II, 342.