Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die erste halachische Controverse
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 2)
- Language
- German
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Die erste halachiselie Controverse. 165 ersten Abzweigung drei weitere hinzu, und bald darauf tritt eine vollständige Spaltung* des Stromes ein, sodass es mit der einheitlichen Richtung ein für alle Male zu Ende ist. Yon Moses bis zum Beginn der dualistischen Vertretung des Syiihedrion kennt die Tradition keinerlei Divergenz. Erst unter Jose ben Joeser aus Zereda und Jose ben Jockana.n aus Jerusalem trat in Bezug auf die סמיכה, das!landauflegen, eine Meinungsverschiedenheit zu Tage, die bis zur Zeit Hiliel’s und Schaminai’s und darüber hinaus andauerte. Diese Controverse war die erste1) und sie blieb auch, wie alle Quellen übereinstimmend berichten, die einzige, bis Hillel und Schammai drei weitere hinzufügten. Ich betone diese That- Sache mit ganz besonderem Nachdruck, weil sie von allen Jenen, welche סמיכה כיום ט1ב, das Handauflegen am Feste, als den eigentlichen Inhalt der ersten Controverse betrachten — und mir wenigstens ist keine andere Auffassung bekannt — nicht nur nicht nach Gebühr gewürdigt, sondern völlig übersehen wurde. Man hat wohl für die auffallende Erscheinung, dass die Controverse nicht durch einen Majoritätsbeschluss im Schosse des Synhedrion beigelegt wurde, nach einer Erklärung gesucht 2), aber man hat es stets als etwas unzweifelhaft Sicheres an gesehen, dass die fünf SynhedriaBPaare, welche die Mischnah Chagigah 2, 2 anfzählt, genau in derselben Weise, wie die Schulen Hilleks und Schammai’s (daselbst 2, 3) über den Gegenstand controversierten. Es soll nun hier der Nachweis geführt werden, dass diese Auffassung eine unzulässige ist, ־wenn man J) Gewiss hat es auch früher schon differierende Meinungen gegeben, aber sie waren bloss temporäre. Ygl. Jebamoth, fol. 77 und Synhedrin, f. 19 b. Auf diesen temporären Charakter hat schon Nachmanides in seinen Hassagoth zum ספל המצות., § J, hingewiesen. 2) e. Hirsch Chajes תורת הנביאים, II, p. 12b, und משפט ההוראה, p. 13h, behauptet, dass während des ganzen Zeitraumes entweder das Synhedrion nicht ganz beisammen gewesen, oder die anderen Hauptbedingungen, an welche eine endgiltige Abstimmung geknüpft war, nicht erfüllt werden konnten. Z. Frankel, דרבי המשנה, p.44, meint, eine endgiltige Entscheidung לסמוך hätte zur Folge gehabt, dass die in weiter Ferne Wohnenden, anstatt wie bisher ihre Opfer nach Jerusalem zu senden, selber hätten kommen müssen, und da zu befürchten stand, dass eine solche Pression ihre Wirkung verfehlen könnte, liess man die Sache in Schwebe. Jakob Brüll, מבא המשכה, I, p. 38, meint allen Ernstes, man habe dem Reiten am Sabbath steuern wollen und die Controverse sei deshalb nicht beigelegt worden, weil die Sadducäer das rabbinisclie Yerbot, am Sabbath zu reiten, mit Füsteil traten. Aber wenn dem wirklich so gewesen, dann ist es ja erst recht unerklärlich, warum man nicht die Ansicht שאץ סרמכין zur Norm erhoben. Haben denn Jose ben Jochanan und seine Nachfolger nicht gleichfalls dem sadducäischen Unfug ein Ende machen wollen? Ygl w. 11,