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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 101

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1892-01-01
Page
Seite 101 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen. 101 seinem Berufe und seiner Gemeinde entrissenen Mannes auf Anklang und entgegenkommende Theilnahme rechnen. Sie wird aber ferner einem ungeteilten Beifall, einer vollen Befriedigung begegnen als ein verdienstliches Unter nehmen, welches wahre Perlen einer ausserordentliehen Beredsamkeit, Schätze von tiefen Gedanken und Anschauungen, meisterhafte Darstellungen jüdischen Glaubens und Lebens vor Vergessenheit und. Verlust schützt und zugleich grossen Kreisen in Gegen־ wart und Zukunft zugänglich macht. Diejenigen, welche das Glück hatten, manche dieser Predigten von dem Verewigten selbst zu hören, werden gern die Eindrücke erneuern, die der wunderbar beredte Mund auf seine Zuhörer nie verfehlt hat; bei Anderen wird der Beiz der Neuheit verstärkend wirken und das Buch das lebendige Wort um so eher ersetzen können, als die Passung der Gedanken und Worte überall die Erische und Lebendigkeit eines frei und reich schaffenden Geistes bekundet und bewahrt. Es ist ein seltener Verein von Adel und Leichtfasslichkeit in dieser Sprache; es ist die Folge eines ebenso tiefen wie klaren Denkens, wie es dem verewigten Verf. in überaus seltener Weise eigen war. Von grösstem und geradezu ausschlaggebendem Werthe sind aber Joels Predigten für seine Amtsgenossen, insbesondere für jüngere und der Vervollkommnung fähige Prediger. Joel galt mit Hecht als ein Meister der Beredsamkeit. Nicht nur auf der Kanzel, — überall, wo er das Wort nahm, konnte man der werthvollen Belehrung oder fruchtbaren Anregung, immer aber eines gediegenen geistigen Genusses sicher sein. Ja selbst sein Gespräch, seine Unterhaltung über wissenschaftliche oder ganz gewöhnliche Angelegenheiten war fesselnd und sehr angenehm durch die überraschende Beleuchtung, die sein Geist, sein Witz, seine stets schlagfertige Erwiederung, sein beredter Mund den Dingen zu geben vermochte; seinen gewinnend und fesselnd vorgetragenen Gründen wohnte eine gewisse Unwiderstehlichkeit inne, die sich auch selbständig Denkenden fühlbar machte. Es war ein Genuss, ihm zuzuhören und dem Zuge seiner Gedanken zu folgen. Seinen Bedeleistungen und insbesondere seinen Predigten kam natürlich seine anderweitige geistige Bedeutung nicht wenig zu gute. Sein reiches Wissen, seine harmonische Bildung, seine Beherrschung der Sprache, die Selbständigkeit und Tiefe seines Denkens, seine geistvolle und ursprüngliche Lebensanschauung, die sich in seinen anderen literarischen Erzeugnissen glänzend gezeigt haben, verleugnet©!! sich selbstverständlich auch in seinen Beden und Predigten nicht. Musterhaft sind seine Predigten ferner in ihrem zwar wechselvollen, aber stets durchsichtig gehaltenen Aufbau. Das konnte nicht anders hei einem Manne sein, der, wie Joel, viele Jahre Lehrer der Homiletik gewesen war, ehe er selbst zum berühmten Prediger wurde. Dass auch Predigten ohne Text bei ihm ausnahmsweise Vorkommen konnten, die dennoch im Uebrigen ganz vortrefflich waren, wie im Vorworte S. XII hervorgehoben wird, kann man unbedenklich zugeben; jedoch hat er dergleichen sicherlich nicht beabsichtigt. Was sich übrigens ein Meister wie Joel ungestraft erlauben durfte, hebt für den gewöhnlichen Prediger und vollends für den Anfänger die der Sicherheit wegenfestzuhaltende Hegel nicht auf, dass jede Predigt einen Text haben müsse. Joel selbst hat diese Hegel gelehrt und bei seinen Predigten fast immer angewendet. Selbst in Predigt XV, die im Vorwort S. XII A. 2 als Beispiel einer textlosen Predigt genannt wird, sind die S. 119 angeführten Anfangsworte von 2. Mos. 19,3 und 19,20 in ihrer Zusammen״ Stellung als Text zu betrachten; ebenso in Predigt XVI die S. 127

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