Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 36 (1887)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Einige Beispiele von ausgesucht tückischem Bekehrungseifer im byzantinischen Reiche
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 550 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829626-2829639-2877201--24533-2877240- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
550 Einige Beispiele von ausgesucht tückischem Bekehrungseifer Linige Beispiele von ausgesucht tückischem BekelZrungseifer im byzantinischen Kelche. Man sollte es kaum glauben, daß tu dem bestehenden Synagogal-Nitus sich noch Spuren von einer judenfeindlichen Vigilanz im byzantinischen Reiche zeigen, wenn es nicht ausdrücklich bezeugt wäre. Es ist in einigen gaonäischen Nesponsen bezeugt, deren übersichtliche Verwerthung für die jüdische Geschichte eine Dringlichkeit wäre. In einem Responsum, das von zwei Gaonen ans den! neunten Jahrhundert stammt, wird die Abweichung motivirt, daß in der Keduscha für Sabbat und Festtage der SchemL-Vers eingeschaltet wird, nnd noch dazu mit dem auffälligin Eingang פעמים כאהבה שמע אוגרים. Sie erklären nun diese Abweichung folgendermaßen: Es wurde den Juden überhaupt verboten, das Schema im Morgengebet zu lesen nnd Auspasier überwachten die Ausführung dieses Verbotes mit aller Strenge. Sie fanden sich in den Synagogen ein, verweilten dort bis zum Schlüsse des Morgengottesdienstes und lauschten, ob dieses Stück recitirt wird, worauf gewiß eine harte Züchtigung »erhängt war. Um dieser zu entgehen, pflegte der Vorbeter es auszulafsen, die Ge. meinde dagegen sprach eS so leise, daß die Aufpasser es nicht hören sollten. Um aber doch das Scheins, laut herzusagen, pflegte sich die Gemeinde später in der Synagoge einzufinden und fügten zur Kednscha das Scheins, ein, mit der Einleitung: פעמים באהבה שמע אומרים שמע ישראל. Als später das Verbot aufgehört hat, und diese Formel überflüssig geworden war, haben die zeitgenössichen Rabbinen festgesetzt, es zur Erinnerung an die tückische Bosheit, es im Mußaf-Gebet beizubehalten und es mit