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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1887-01-01 · Heft 8 · p. Seite 349

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
36 (1887)
Issue
Heft 8
Article
Parallelen aus der jüdischen Geschichte
Date
1887-01-01
Page
Seite 349 (sequence 13)
Language
German
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Parallelen aus der jüdischen Geschichte. 349 strömen. Und als die bigotten Fürsten der pyrenäischeu Halbinsel den Selbstmord an sich begingen, nah an eine halbe Million Inden zu verjagen und die Zurückbleibenden zu einem heuchlerischen Bekenntniß zu zwingen, schlugen diese schmerzens- und thränenreiche Auswanderung und der noch grausigere Gewissenszwang wunderbarer Weise zum Segen des Judenthums um. Es bildeten sich neue Mittelpunkte in den Ländern, welche bis dahin den Söhnen Israels verschlossen waren. Der größte Strom der Auswanderer und Flüchtlige fluthete ostwärts, bis nach der Türkei und Palästina. Aber es gelang hier nicht, ein Centrum zu bilden uub das Judenthum auf eine höhere Stufe zu bringen oder auch nur die bis dahin erklommene Stufe einzuhalten. In diesen Ländern hatte der wahnwitzige kabbalistische Spuk seine dunklen Höhlen, berückte die Gemüther und erzeugte pseudo-messianische Hexensabbate, welche das Judenthum bis zum Schluß des letzten Jahrhunderts gerndezu geschändet haben. Ein kleiner Bruchtheil der Flüchtlinge, welcher glücklich dem Moloch der Inquisition entkommen war, siedelte sich in Ländern an, wo die bürgerliche Freiheit und die religiöse Toleranz zum Staatsprinzip erhoben waren: in Holland und England. ES war eine eigenthümliche Klasse von Juden, diese Ausgewanderten. Sie waren im Christenthum geboren und erzogen, das dritte und vierte Geschlecht derer, welche in Noth und Der» zweifluug die Taufe über sich hatten ergehen lassen, welche an den Haaren zur Kirche geschleift worden waren. Sie konnten sich schlechterdings nicht mit einer Religion befreunden, welche die Liebe durch menschliche Brandopfer bekundete.׳ Dagegen wuchs ihre Liebe zum Judenthum im Verhältnisse zu ihrem Ingrimm gegen die Unmeschlichkeit der Kirche. In ihrer bis zur fanatischen Begeisterung gesteigerten Anhänglichkeit ans Judenthum mißachteten diese Schein-Christen, diese Marannen,

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